58
lässt die Etsch den Yintschgau und führt uns aus demGebiet des Glimmerschiefers in das des Porphyrs. Esist nämlich das ganze obere Thal, abgesehen von demvereinzelten Vorkommen von Granit, Gneis und körnigemKalk (Marmorbrüche) fast durchweg von Glimmer-schieferwänden umschlossen, und nur auf einer Streckeder rechten Thalseite gegen den Ortler zu treten Kohlen-schiefer und Werfenerschichten auf. Wir haben alsoüberall leicht zerstörbare Gesteine und können uns da-her bei der Höhe und Steilheit der Gehänge über diegewaltigen Wirkungen der Wildbäche nicht wundern,zumal durch Entwaldungen Alles geschehen ist, ihnenihre Thätigkeit zu erleichtern.
Betreten wir den Vintschgau von Norden her, soführt uns die Strasse von der Passhöhe der Reschen-scheideck kaum merklich hinab zum Reschensee, ausdem die Etsch zu zwei anderen gleichartig gebildetenWasserbecken hinabfliesst. Alle drei sind durch Schutt-ablagerungen aufgestaut. Durch ein Schlamm- undKiesfeld, welches die Etsch auf 2 Klm. Länge mit etwa6 m. Gefäll durchfliesst, ist der Reschensee vom Mitter-see getrennt. Der in einer Eindämmung unter derStrasse hinfliessende Carlinbach hat aus dem Lang-taufererthal die Materialien heruntergeführt und gewinntdem Mittersee fortwährend Terrain ab, führt ihm auchzeitweilig solche Wassermassen zu, dass der See wie1855 ausbricht, und mit seinen Wassern wieder den26 m. tiefer liegenden und nur durch eine 1 Klm.breite Schuttmasse von ihm getrennten Heidersee zuverheerenden Ergiessungen zwingt. Aus dem letztenSee eilt die Etsch , durch den Schuttkegel der Malser-heide an die westliche Thalwand gedrängt, mit einemstellenweise 4° übersteigenden Gefäll hinab zum Thal-boden von Glurns , der bis zur Mündung des Suldener-baches wenig über 8, von da bis nach Laas 12—16 Mi-