Buch 
Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

93

dieser Thatsache nicht, dass die Wiederaufforstungenüberhaupt vergeblich und unnütz sind, sondern es liegtvielmehr in der richtigen Erkenntniss derselben dieernste Aufforderung, Hand ans Werk zu legen, so langees die sich oft rapide verschlechternden Verhältnisseirgend zulassen.

Von den Mitteln, die man anwendete, um an steilenGehängen die junge Pflanzung gegen Abschwemmungzu schützen, sind besonders zwei zu erwähnen. Daserstere ist vielfach in Frankreich angewandt und vonCezanne pag. 227 und 228 an Holzschnitten sehr gutveranschaulicht. Man verwandelt die mehr oder mindergleichmässige Abdachung in eine Reihe schmaler, durchStufen oder Absätze von einander getrennter Streifenund bepflanzt die horizontale Oberfläche der quer überden Berghang verlaufendenbanquettes mit den fürdie Localität am besten passenden Baumsorten, währendman auf den stark geneigten, zwischen ihnen liegendenGebieten die Bildung einer Grasnarbe zu begünstigensucht. Obgleich Wolkenbrücbe hin und wieder einenStrich durch die Rechnung machen, sind dennochsehr günstige Resultate mit dieser Methode erzieltund manche wunden Sammelgebiete nach ihr geheiltworden.

Weit gewöhnlicher ist die Anwendung niedrigerFlechtzäune (siehe Duile, Tafel 3), die besonders inden kleinen Rinnsalen der oberen Gehänge trefflicheDienste thun, weil sie der Vertiefung des Gerinnes undder dadurch herbeigeführten Abrutschung der Ränderdesselben wehren und zwischen gröberen Verwitterungs-producten auch feinere zurückhalten, auf denen dieVegetation Zeit hat, sich zu entwickeln. Bei Rutsch-flächen von grösserer Mächtigkeit ist ihre Anwendungnatürlich ohne Erfolg, da sich mit diesen selbst Häuserund grosse Bäume abwärts bewegen. Mit dem Alter