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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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Räsfeldts Erwartungen sich bestätigen, dass nun auchfür den Südabhang der Alpen die Morgenröthe einerForstcultur anhricht, und nicht Rabbenos Worte: lalegge si altera, si modifica, si ahroga; la consuetudinerimane inalterata.

Unschwer ist bei einer strikten Durchführung guterForstgesetze der noch vorhandene Wald zu erhalten,der Wiedergewinnung aber eines einmal freventlichpreisgegehenen Gebietes setzt die Natur einen Wider-stand entgegen, der sich durch keine Gesetzgebung be-seitigen lässt.

Wo der Wald in schmalen Streifen abgesäumt wird,kann der Forstmann auf dem gegen Lawinen, Regen-fluthen und eisigen Wind geschützten Terrain baldwieder eine junge Schonung emporbringen; an denkahlen Gehängen muss oft erst für eine Ansammlungvon Yerwitterungsproducten gesorgt werden und auchfür Bewässerung des dürren Bodens, den das schnellzusammenrinnende Regenwasser wohl abschwemmt undfortreisst, aber nicht auf die Dauer befruchtend durch-tränkt. *) Im Allgemeinen wachsen die Schwierigkeitender Wiederbewaldung hei gleicher Beschaffenheit desBodens aus mehr als einem Grunde mit der Höhe überdem Meeresspiegel. Die Gemeinde Samaden im Ober-Engadin hat allerdings im Yal Champagna 7000 Fusshoch noch eine Bepflanzung steiler, zur Weide untaug-licher Gehänge ermöglicht (Tschudi ), doch ist das Aus-sehen der Anlagen, an deren Gedeihen die Forstleuteselbst zweifeln, ein sehr kümmerliches.

Wie viel Terrain nun auch dem Walde unwieder-bringlich verloren sein mag, so folgt doch sicher aus

) Ein hübsches Beispiel für den Erfolg unverdrossenen Fleissesbieten die Wiederaufforstungs-Versuche des Dr. Flora in Mals ,siehe die Mitth. d. D. u. Oe. A.-V. 1879, pag. 69 folg.