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Wildbaches entstandenen Rutschhalden und Schlipfezum Stillstand zu bringen. Alle Sicherungsmassregelnwie Dämme, Schwellen und Faschinen am Fusse dergleitenden Berglehnen sind nutzlos, wenn dem Bachenicht die Fähigkeit genommen wird, sie zu unterspülen,was am besten und billigsten durch die Anlage einerSperre unmittelbar unterhalb der wunden Stelle geschieht.
Die Zeit, welche ein Wildbach braucht, um eineSperre zu „hinterfüllen 1 -, ist natürlich neben der Grössedes aufgestauten Wasserbeckens abhängig von der Ge-schiebeführung und im allgemeinen am kürzesten beiden zeitweilig ganz trockenen Runsen. Die Ursacheliegt in der das Austrocknen des Wildwassers bedingen-den Kahlheit des Sammelgebiets und der hieraus resul-tirenden Stärke der Murgänge.
Ist eine Thalsperre hinterfüllt, so bleiben zwaroberhalb derselben in Folge der Gefällsverringerungnoch immer einzelne Blöcke liegen, andere aber rollenüber sie hinweg und führen dadurch leicht eine Be-schädigung oder Zerstörung herbei. Nach der Zer-trümmerung des Wehrs setzen sich dann die ursprünglichhinter ihm abgelagerten Massen aufs neue in Bewegung,wie dies z. B. in Graubünden nach dem Einbruch einesMühlenstaues an der Landquart geschah (siehe Unters,der Wildb. p. 128). Ragatz ward im vorigen Jahr-hundert in Folge eines Sperrenbruches in der Taminaplötzlich, 12—15 Fuss hoch überschüttet (ib. p. 142);doch sind solche Fälle selten, und die Befürchtungenvor einem derartigen plötzlichen Ausbruch oft über-trieben. Zwar hat Heim 1 ) nicht ganz Unrecht, wenner sagt: „eine schlechte Sperre ist weit gefährlicher alsgar keine“; denn, wenn dieselbe nur die momentane