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St. Gallen und seine Umgebung / Otto Henne am Rhyn
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Leben in der Stadt.

Art, ein geschmackvolles, 1892 erbautes Vogelhaus mit in-und ausländischen Vögeln, einen zierlichen Pavillon vonZinkblech, einen kleinen Teich mit Schwimmvögeln, eine imSommer offene Kaffeewirtschaft mit Konditorei, einen bo-tanischen Garten und eine Sammlung erratischer Blöcke, undwird im Sommer durch Konzerte : der Stadtmusik erheitert.

Im Juni sieht man geschmückte Rinderherdendurch die Strassen ziehen, die Leitkuli mit prächtigemBande und grosser Glocke voran, bei ihr die jauchzendenAppenzeller Sennen in Hemdärmeln, schwarzem Leder-käppchen, messingbeschlagenen Hosenträgern, roten We-sten, und kurzen gelben Beinkleidern, weissen Strümpfenund Schnallenschuhen. Es geht auf die Alp, wo dasVieh gesommert wird. Im Juli macht sich die Hitzefühlbarer; rüstige Leute entfliehen ihr auf die Berge desAppenzellerlandes, weniger rüstige in Bade- und Kurorte,die aber von St. Gallen aus weniger stark besucht wer-den, als von manchen anderen Städten. So auch imAugust. In einem dieser beiden Monate, gewöhnlichim ersteren, wird das berühmte Jugendfest abgehalten,das in St. Gallen einzig in seiner Art ist. Die Kinderaller Schulen, einige Tausend an der Zahl, ziehen festlichgeschmückt, die Mädchen mit Kränzen und Guirlanden,die Knaben mit bekränzten Hellebarden, Armbrusten undanderen harmlosen Waffen, zum Schlüsse das Kadetten-korps der Kantonsschule mit seiner Artillerie und Infan-terie, jede Abteilung mit Musik, durch die Stadt auf denRosenberg, wo sich die Jugend den Tag über mit Spielen,Tanz, Turnen und Waff'enübungen ergötzt. Im Septembertritt kühlere Witterung ein, und man schätzt sich bereitsglücklich, wenn noch wärmere Tage erscheinen.

Charakteristisch für St. Gallen ist das bewegte Le-ben in den Strassen zu Anfang und Schluss der Ge-schäftsstunden des Vor- und Nachmittags. Doch dieskommt auch anderwärts vor. Hingegen Mittwoch undSamstag Vor- und Nachmittags bietet sich dem Fremdenbeim ehemaligen Multerthore ein ungewohnter Anblickdar: da stehen nämlich die Kauf lento und Fabrikantenunter freiem Himmel bei Regen unter den Regenschir-men, in Gruppen umher; es ist die Börse der Handels-stadt St. Gallen , die, obschon ihr seit einigen Jahren einTeil des Gebäudes der Unionbank mit Lesezimmer zurVerfügung steht, teilweise noch immer nach alter VäterSitte ihre Geschäfte im Freien abmacht.