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Dritter Band.
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Einleitung.

Zu jener Zeit sind wahrscheinlich nach der beschriebenenBauart alle Brücken erbaut worden. Die steinernen Brückenerhielten aber eine wesentliche Verbesserung, als man ihreDecke in Form eines Bogens construirte. Die Zeit aber,zu welcher die Erfindung der Wölbung nach dem Fugen -schnitte d. h. daß die Fugen der einzelnen zusammenge-stellten Steine nach dem Mittelpunkte gerichtet werdengemacht worden, ist unbekannt. Die Aegypter, denen dieKunst in Stein zu wölben unbekannt war, bildeten ausganzen Steinen wagerechte Decken. Sie ließen an beidenSeitenmauern, wie in Fkg. 1, aufwärts immer einen Steinüber dem anderen hervortreten, und überdeckten sie, wennsie sich so eben einander hinlänglich genähert hatten, mit ei-nem einzelnen Steine nach der Breite. Auch richteten sie,nach Fig. 2, große Steine sparrenahnlich, d. h. in Gestalteines spitzen Triangels, gegen einander. Aus dieser letzternAnlage scheint der gothische Bogen entsprungen zu seyn.Die Römer wölbten ihre Brücken meistens nach vollen Zir-keln, die Griechen nach Ellipsen. Eine Nation wie die rö-mische, welche mit der ungewöhnlichen Starke und Solidi-tät auch äußerliche Pracht und Zierde zu vereinigen suchte,konnte nicht wohl andere Linien zu solchen Werken wäh-len. Hingegen gaben die Griechen, welche mehr für dasSchöne, als für das Dauerhafte Sinn hatten, den el-liptischen Bogen den Vorzug, weil sie die zierlichsten undschönsten sind.

§. 3. Der Bau der hölzernen Brücken fing nach jenerangegebenen Idee wahrscheinlich zuerst mit den höchst einfa-chen Balkenbrücken an, indem man auf zwei feste Grund-lagen des Ufers eine Anzahl gerader und fester Balken, undquer über diese eine Decke von starken Bretern oder Boh-len legte. Da aber breitere Flüsse längere Balken erforder-ten, so mußte man diese zwischen den Ufern ein- oder meh-reremale nach Umständen unterstützen, um zu verhüten, daßdie Balken sich nicht biegen, und dann durch eine darüberhingehende schwere Last zerbrechen möchten. Es entstanden