Band 
[Textband.]
Seite
211
JPEG-Download
 

2H

Canäle und Fabrikanlagen findet man in keinem Lande so nett; jedes Stückchen Land ist angebaut, und auchnicht ein Unkraut wird zwischen dem Weizen, dem Roggen, der Gerste und andern Feldfrüchten geduldet. Die

unbarmherzige Hacke vertilgt es, bis keinen Schaden mehr thun kann. Wenn in Deutschland oder Frankreich

der Landmann gepflügt, gesäet nnd geegget hat, überläßt er es dem Zufall, ob das Unkraut oder der Weizen siegreichist, und niemand denkt daran, mit der Hacke in die grünen Saatfelder zu gehen. Höchstens wird diese Auf-merksamkeit Kartoffeln und Gemüsen, dem Tabak w. zu Theil, woher wir denn auch so viel schwarze Körner w.unter dem Korne finden. Mit einem Worte, der Ackerbau wird mit Recht (wenn auch nur zum Vortheil der

großen Landbesitzer zu als das Schooßkind der Nation behandelt, neben welchem Fabrikation sich so gut

helfen muß, als sie kann.

Die Chausseen in derselben Richtung, als die Eisenbahnen, sind verödet, und eben dadurch im guten Zu-stande; die Coinmnnal- und Vicinalwege sind dagegen sehr sreguent geworden, und es lausen Postkutschen uudOmnibus, Cabs und andere Fuhrwerk jeder Art nach den Stationen, um Personen und Güter zur Eisenbahnzu bringen. Der vornehme Grundbesitzer w. läßt, um seine Pferde zu schonen, solche mit seiner Dienerschaft unddem Wagen auf die Eisenbahn-Trucks bringen, und kommt so mit muthigen Pferden an seinem Bestimmungs-orte an.

Auf den Canälen längs der Eisenbahn sieht man nur noch im Kohlenreviere einiges Leben, sonst sind siesehr verödet, namentlich sah ich auf dem Canale, welcher längs der Sonthampton-Eiscnbahn hinläuft, im Gan-zen nur zwei kleine Kähne; die Wasserpflanzen wachsen gar lustig darin uud blühen freudig; die bedräng-ten Fische finden wieder eine Freistätte und der Angler sein hämisches Vergnügen. Eben so haben die Mail-nnd Stage-Coachcö in gerader Linie von London nach Liverpool wenig zu thun, desto mehr aber jene von denStädten, welche in der Nähe der Bahn liegen.

So oft man sich in England einer großen Manufactur- und Fabrikstadt nähert, wird die Aussieht durcheinen undurchdringlichen Höhenrauch verhüllt; man sieht nur einzelne nahe Gegenstände, Thnrmspitzcu rc.'ausdiesem Steinkohlendampfnebel hcrvortanchcn; deshalb haben auch alle öffentlichen Gebäude in diesen Städten einantikes Ansehen, sobald sie nur einige Jahre alt sind. Auf der Wetterseite wäscht der Regen solche Gebäude

und Monumente von Zeit zn Zeit ab, aber auf den andern Seiten ist alles voller Ruß. Am possirlichstcn sehen

die Statuen einzelner großer Männer und Frauen auf den öffentlichen Plätzen und in den Parks auS; man istversucht, zn glauben, es seien alle Teufel oder doch wenigstens Mohren gewesen. Die'(ungeachtet ihrer vielenBuhler) jungfräuliche Königin Elisabeth im St. Paulskirchhof, Georg Canning bei Westminstcr-Abbey rc. gebenhiervon Zeugniß. Dieser Kohlendampf ist für Fremde sehr lästig und den Augen höchst verderblich; was mich

betrifft, so suchte ich jede Gelegenheit, um auf den Dampfschiffen und Eisenbahnen dem Steinkohlenruß zu ent-

gehen.

Eine unangenehme Gewohnheit ist die, die Todten mitten in den Städten zu begraben, was nicht fehlenkann, körperliche uud Gemüthskrankheiten hervorzurufen; in einem heißen Clima würde sie noch verderb-licher sein.

Es ist sehr schwer, in englischen Fabriken und Manufakturen Zutritt zu erhalten, uud wird im Verhältniß,als selbige auch in andern Ländern emporblüheu, noch viel schwerer werden. Die Engländer fühlen sich zwardadurch geschmeichelt, daß andere Nationen ihren Reichthum, ihre Geschicklichkeit und ihre Fortschritte in derMechanik und Industrie sehen, aber die Furcht, ihre Alleinfabrikation immer mehr geschmälert zu sehen, läßtselbst ihren Stolz zurücktreten, und der Fremde ohne besondere Empfehlungen sieht wenig, wenn er nicht viel Geldspendet. Der Verwand, der wohl auch einigen Grund hat, ist: die Arbeiter versäumten zu viel, dadurch, daßsie ihre Augen auf die Fremden richteten.

7) Allgemeine Bemerkungen.

Obgleich die London - Birmingham -Eisenbahn mit ihren dunkeln Tunnels, ihren langen Einschnitten undstehenden Maschinen so beschaffen ist, daß in unserer jetzigen Zeit und dem Zustande der Wissenschaft über Eisen-bahnen kein erfahrener Ingenieur eine ähnliche Anlage mehr machen würde, so ist sie doch ein großes Werk, unddient dazu, den Süden und Norden Englands mit einander zu verbinden, wozu die Grand-Jnnction und die

27*