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für die Verdampfungskraft der Kessel darnach anzustellen. In dem berühmten Versuch mit der Fowey Consols-Maschine stellt das Comite fest, daß 28 Büschel Kohlen gemessen wurden, und daß ein gewogener Büschel vonihnen 94 Pfd. schwer gefunden worden sey. Ich betrachte diese Art der Untersuchung hinreichend genau für denvorgesetzten Zweck; es war die im Lande übliche, gewöhnliche Methode; aber sie ermittelten und berichteten dieGüte der Kohlen nicht. Es ist möglich, daß die verwendeten Kohlen geringer waren, als jene von mittlererGüte; aber ich halte es wahrscheinlicher, daß sie besser waren.
Im Jahr 1838 wurde mir von dem Direktionsauöschuß der Wasserwerke der Auftrag gegeben, daS Gewichtder Kohlen zu ermitteln. Herr Nicol Harvcy begünstigte mich darauf mit folgender Angabe, daß das Gewichteines Büschels Welsh Coals von 80 bis 112 Pfd. verschieden sey. Diese Angabe zeigt, wie wenig man sichauf die Resultate von Versuchen verlassen kann, wo die Kohlen blos gemessen werden, und nicht gewogen; wenndas Maß groß genug gemacht ist, um 112 Pfd. Kohlen zu fassen, so kann es nicht länger ein Büschel genanntwerden.
Wenn ich nun auch sagte, daß der Bericht über den Nutzeffect der Cornwall -Maschinen dem Zwecke ent-spräche, für welchen er gemacht wurde, so kann ich diesen Versuchen doch keinen Glauben schenken, so lange dieKohlen noch gemessen und nicht gewogen werden, wenn auch die verbrauchten Kohlen denselben Namen haben.
Was die Methode, das Wasser durch die Kolbenhübe der Speisepumpe zu messen, betrifft, so habe ichgefunden, daß, wenn die eine zu Old Ford in gutem Staude ist, ihre wirkliche Leistung innerhalb 1,^ Proe.der theoretischen Leistung bleibt; da aber die Maschine selten zwei auf einander folgende Kolbenhübe von der-selben Länge macht, wenn nicht die Länge des Kolbenhubes beobachtet wird, während sie dem Kessel das Speise-wasser zuführt, so kann man die genaue Menge nicht ermitteln. Vorausgesetzt, der Unterschied in der Längedes Kolbenhubes sey V? Zoll, so würde die Differenz in der Wasserspeisuug l,gg oder 1,§« Proe. Verlust betragen.
Die beiden Verluste zusammen würden also 3,^ Proe. seyn, und dies nur bei der Annahme, daß die Pumpe
in der besten Ordnung sey; aber wenn sie in schlechtem Zustande ist (und da die Pumpe jeder Zeit im Standeist, mehr Wasser zu fördern, als nöthig ist, die Kessel zu speisen, so kann sie noch immer ihre Schuldigkeitthun, ohne daß eö nöthig wäre, die Maschine still stehen zu lassen, und die Ventile und den Stiefel zu repa-riren), so müssen die Berechnungen der Verdampfung unter solchen Umständen sehr unrichtig werden.
Ferner, wenn der Wasserspiegel im Kessel nicht sehr genau gemessen wird, wenn der Versuch ansängt undaufhört, — und in Hochdruckkesseln ist dies sehr schwer, wie alte praktische Leute wissen, oder gar unmöglich,wegen des gewaltsamen Siedens , — werden die Resultate des Nutzeffectcs oder der Verdampfung unrichtig seyn.Man kanu da entweder zu viel oder zu wenig annehmen, und dies möchte nicht von der Rechtlichkeit des Expe-rimentators, sondern von der Art und Weise der Ausführung des Versuches abhängen. WaS die Proportionender Kessel betrifft, so sind für die Niederdruckkessel jene von Boulton und Watt, so weit meine Versuche reichen,
die besten, und die für den Hochdruck betreffend, kanu ich nicht bestimmen, welches die besten sind. Wenn die
Proportionen des Waggonkopfkessels die besten mit dem geringsten Gewichte der Kessel sind, so folgt es nochnicht, obgleich die Form wegen größerer Widerstandsfähigkeit geändert werden muß, daß auch die Verhältnissedes Wassergehaltes, der heizenden Oberfläche, der Rostfläche w. geändert werden müßten. Ich habe nur Ver-suche mit einer Art Hochdruckkessel angestellt, aber ich denke, daß die Regeln für diese Bestimmung auf genaueVersuche gegründet werden sollten, und nicht aus Theorien, welche aus den Resultaten von Versuchen mit derGestalt verschiedener Kessel, wenn sie nicht zu denselben Zwecken bestimmt sind und zu derselben Classe gehören,hervorgehen; sie mögen Hoch- oder Niederdruck haben, für Landmaschinen oder Schiffsmaschincn, Loeomotiven w.bestimmt seyn, da in allen diesen Fällen andere Absichten neben der Oeconomie des Brennstoffes erreicht werdenmüssen. In allen diesen Fällen müssen die Brennstoffersparniß, das Gewicht und die Kohlen des Kessels, diealle so zu modisiciren sind, daß die allgemeine Oeconomie des ganzen Systems erzielt werde, ebenfalls in Be-trachtung kommen.
Aus den vorhergehenden Versuchen, Angaben w. erscheint es daher, als ob nur sehr wenige Verbesserungenin der Verdampfungskrast, oder vielmehr gar keine, seit dem großen James Watt gemacht worden wären.
Bevse's Beiträge III. 99