68 H. Abtheilung. H. Abschnitt.
Anmer-kungenüber dasFlachs-rösten.
den Flachs einige Wochen unter frei-em Himmel laßt,damit er vermittelst deö Thaues und der just in die-jenige Art der Fäulniß gehet, die man das Röstennennet. Die zweyte Art aber kommt darauf an, daßman den Flachs ins Wasser legt. Von jeder Artwollen wir einige Erinnerungen beybringen.
Das Rösten unter dem freyen Himmel ist ohneZweifel dasjenige, wodurch der Flachs die größte Weißeund Güte erlangen kann. Denn man ist hier nichtder Gefahr ausgesetzet, daß die Eigenschaft des Was-sers etwas an der Güte des Flachses verdirbt. Alleindiese Art ist sehr mühsam *). Ohngeachtet das gemein-schaftliche Beste erforderte, den. Flachse durch strengeGesetze Sicherheit zu verschaffen: so muß man dochfast allenthalben des Nachts dabey wachen lassen, umdenselben vor diebischen Händen zu bewahren. So-dann ist er der Gefahr ausgesetzet, daß er von Sturm-winden weggeführet, und der Flachs verschiedener Ei-genthümer untereinander geworfen wird. Es ist dan-nenhero fast allenthalben in Teutschland gewöhnlich,daß man den Flachs im Wasser röstet; aber meinesErachtenS gereichet dieses gar nicht zur Güte des Flach-ses. Die fließenden Wasser sind öfters hart, und be-fördern mithin gar nicht die Weiche des Flachses.Zuweilen sind sie auch vitriolisch, und sind mithin derWeiße des Flachses nachtheilig. Oesters ist es auch
nicht
*) Sie wird jedoch um ein vieles beschleunigt, wenn manden Flachs, sobald die Fruchtknoten abgestreift sind, zer-schlägt oder zerquetscht.