Der großeVerbraucherforderraber den-noch, sie imLande an-zulegen,
154 II. Abtheilung. IV. Abschnitt.
geschenkt bekam. Wenn wir unsere Zeiten dargegenhalten; wenn wir erwägen, daß sich heutiges Tageseine jede Magd in Seide kleiden will; so ist es in derThat zu verwundern, wie die Seide binnen zwey Jahr-hunderten so gar gemein werden können.
Unterdessen, obgleich der Gebrauch der Seidenmg-nufackuren lediglich in der Eitelkeit, Ueppigkeit undPracht der Menschen, oder kürzer, in dem menschlichenHochmuthe, seinen Grund hat; so ist doch der Verbrauch«er Scivenwaaren überaus groß. Es wäre wohl zuwünschen, daß man in verschiedenen teutschen Staatenvor Anlegung der Seidcnmanufackurcn aus den Zoll-und Acciseregistern Berechnungen gemacht hätte, wieviel jährlich an Seidcnwaaren eingeführet worden ist:man würde gewiß über die Summe erstaunen. Derwienerische Hoflieferant, Kühnmeyer, hat mir einömalsversichert, daß er, vor Anlegung seiner Seidenfabrikallein in sieben und zwanzig Jahren vor sechs undzwanzig Millionen Gulden Seidenwaaren aus Frank-reich Habs kommen lassen und verkaufet habe. Es istwahr, der nachherige Herr von Kühnmeyer war ebennicht der Mann, auf dessen Worte man sich getrauenkonnte, wie auf das Evangelium, zu schwören. Allein,wenn man auch annimmt, daß er ein wenig die Hyperbelgebraucht, uud die Summe noch einmal so hoch ange-geben hat, als sie wirklich gewesen ist; so ist es docherstaunlich, wenn ein einziger, obgleich großer Kauf-mann, jährlich fast vor eine halbe Million GuldenGeidsnwaaren einführet; und man kann daraus leicht
den