162 II. Abtheilung. IV. Abschnitt.
gewinnet, und man die Seidenwürmerauskriechen laßt,die natürliche Warme der Luft bereits auf den ein undzwanzigsten Grad gestiegen ist. Der Erfolg davonkann den Seidenwürmern jetzt ausgeführkermaaßennicht anders als schädlich, ja sogar tödtlich seyn. InDeutschland haben wir dergleichen wenig oder gar nichtzu befürchten. Eö würde ein sehr seltener Vorfall seyn,wenn die Warme bey uns in der Mitte des May, dader Maulbeerbaum ohngefähr seine Blätter zu gewin-nen anfängt, und wir mithin die Seidenwürmer auö-kriechen lasten, auf einen solchen Grad steigen sollte.
Eine gro» So wie ein höherer Grad der Hitze den Seiden-würmern bey dem Ausbrüten schädlich und sogar todt-Spinn«,"* lich ist; so ist sie diesen Würmern eben so nachtheilig,fHadlich. wenn sie sich einzuspinnen angefangen haben. Fälltalsdenn eine Hitze von ein bis zwey und zwanzig Gradein, die einige Tage anhält; so sterben die Würmer,wenn sie mitten in ihrer besten Arbeit begriffen sind.Die Frucht ihrer Arbeit gehet alödenn verloren. Manfindet die Würmer darinnen todt und verfault; und die-ses unvollkommene Gespinnst ist weiter zu nichts, alszu Floretseide, dienlich. Dieses erführet man in Ita-lien und Frankreich gar öfters; und ich selbst habe imJahr 1752 zu Wien wider meinen Willen die Erfah-rung davon gemacht. In einem Zimmer, welches derSonne dm ganzen Tag ausgesetzt war, fanden sich dieWürmer mehr als zur Hälfte in den unvollkomme-nen Cocons todt und verfaulet. Auch hierinnen ha-ben wir vor den heißem Ländern einen Vorzug. Es
wir-