Von den Seidenmanufacturen. 171
Holländer, als auch wir Teutschen, gezeigek. Man we-bet in Berlin, Leipzig, Wien und andern teutschen gro.ßen Städten, wo Seidcnmannfacturen blühen, Zeugevon so schönen Dejscins, als die französischen, und diesogar nicht selten den Vorzug verdienen würden, wennsie nach den Regeln des natürlich Schönen und derOptik strenge geprüfet werden sollten. Auch hierinnenalso wird sich keine Schwierigkeit ereignen *).
Die Moden sind in der That eine sehr wichtige Großer
Sache bey dem Aufnehmen der Seidenmanufacturen der
eines Landes; und ein Volk, das seine Moden von ei- das Aus-ner andern Nation annimmt, leget dadurch dem Wachs- nehmenthum seiner eignen Seidenmanufacturen eine sehr großeHinderniß in Weg. Wenn ein Volk sich in der Mo- cturcn.de nach einem andern Volke richtet; so wird es nichtallein eine Menge Waaren, ganz fertige Kleidungs-stücke undMeublen, welche die Mode bey jenemVolke
auf-
*) Mit Recht hat der Verfasser die unnatürlichen, kindi-schen, abgeschmackten Zeichnungen, die man noch immerauf den kostbarsten Zeugen antrifft, getadelt; und werauch nur mit den Anfangsgründen der Naturkunde be-kannt ist, muß sich wunder», daß Leute, welche den Tonangeben wollen, Zeichnungen geschmackvoll und schön fin»den können, welche von der Natur gänzlich abweichen.
Wer könnte eine Zeichnung schon nennen, auf der Hundemit Vogelschnäbeln, Fische mit Federn, Gänse mit Bä-rentatzen vorgestellet waren, und doch sollen wir Blumenbewundern, deren Bildung erdichtet, oder deren Blüthen,
Knospen und Laub eben so widersinnig zusammengesetztsind, als in jenen angegebenen Beyspielen. Sonderbarist es, daß die so glücklich bearbeitete Naturkunde nochfficht einmal den Geschmack berichtigt hat.