Von der Haarfarbe. Z27
Theorie des Haarschmelzens.
Der Grund, weswegen man aus einer sol-chen Materie, wie die Färberröthe, eine so we-nig dauerhafte Farbe erhalt, als das geschmolze-ne Haar giebt, läßt sich leicht entdecken. 'Beyder ersten Zubereitung, da das Haar mit derFät-berrökhe gerörhet wird, hat man das Rothe die-ser Wurzel vermittelst des Sudes mit Alaun undWeinstein auf dem Haar so feste gemacht, alsmöglich ist; da man es aber mit dieser Farbeüberladet, so begreift man leichte, daß die über-fiüßig färbenden Theilchen nur auf diejenigen zusitzen kommen, welche sich schon in dcnZwischen-räumchen des Haares befinden, und solche aus-füllen, daß also nur die erstem wirklich in denZwischcnräumchen zurücke gehalten, und durchdie Salze befestiget werden. Dieses Haar, dasalso mit der Färberröthe so stark gerathet ist, daßes fast schwarz wird, würde von der Stärke dieserFarbe sehr viel verlieren, wenn man es in einerFeuchtigkeit kochen ließe, die auch nur reines Was-ser wäre. Man setzt aber diesem Wasser eben soschwer gebrannte Weinheftn zu, als das schongefärbte Haar beträgt, das man schmelzen will,T 4 man
ches folgendermaßen geschiehet: Man weichet das Tuch,oder wollene Zeug 12 Stunden, in soviel kaltes Wasser,daß es davon ganz bedeckt ist, nach diesem Zeitraumgießt man das Wasser davon ab, und wieder frisches dar?über , und dieses wiederholet man noch ein , oder zwey-mal, bis sich an dem abaegoffenen Wasser nicht der min-deste Schwefelgeruch verspüren läßt.