Ulli EIGENSCHAFTEN DES LICHTS.
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§. 8 .
l'ig. IS, indem man sie am oberen Ende bei .1 mit der Hand fasst,senkrecht herabhängen lässt, und nun die Hand seitlich hin und her ^bewegt. Her Faden biegt sich dann zu einer Wellenlinie, wie siedurch die gestrichelte Linie der Figur angedcutet ist, welche Wellen-linie fortdauernd vom oberen zum unteren Ende herabläuft. Bei denWellen, die sich längs des Fadens von oben nach unten fortpflanzen,bleibt jedes einzelne Theilchen des Fadens immer in gleicher Höheüber dem Boden, wobei es entweder in geraden Linien von rechtsnach links, oder von vorn nach hinten hin und her schwanken, oderin horizontalen, kreisförmigen oder elliptischen Bahnen um seine mitt-lere Gleichgewichtslage sich bewegen kann, je nachdem sich die Hand,welche den Faden hält, von rechts nach links, oder von vorn nachhinten, oder in geschlossenen krummen Linien bewegt. »
Ganz ähnlich der Bewegung der einzelnen Theile des Fadens würdedie Bewegung einer Reihe von Aethertheilchen sein, längs welchersich ein Lichtstrahl fortpflanzt. Jedes einzelne Theilchen des Aethersbleibt fortdauernd in der Nähe seiner ursprünglichen Ruhelage, undbewegt sich in geraden oder gekrümmten Bahnen um diese. Was sichals Licht fortbewegt, sind nicht die Aethertheilchen selbst, sondernnur die Wellenform, in welche sie sich während ihrer Bewegung ordnen,mit ihren verschiedenen Abwechselungen (Phasen) von Ausweichungund Geschwindigkeit.
Die Bahnen der Aethertheilchen bei der Lichtbewegung liegen inEbenen, welche senkrecht gegen die Fortpflanzungsrichtung der Wellensind, ganz wie bei unserem Faden, wo die Wellen in verticaler Rich-tung nach dem Boden hin laufen, und jeder einzelne Theil des schwin-genden Fadens stets in gleicher Höhe über dem Boden eine horizontale Bahn be-schreibt. Dadurch unterscheiden sich die Lichtwellcn von den Wellen elastischerFlüssigkeiten, z. B. von der Schallbewegung der Luft, bei welcher die Theilchenparallel der Fortpflanzungsrichtung oscilliren.
Wenn die Bahn der schwingenden Aethertheilchen in einem Lichtwellenzugegeradlinig ist, nennt man das Licht geradlinig polarisirt, wenn die Bahn kreis-förmig oder elliptisch ist, nennt man das Licht dagegen kreisförmig oder ellip-tisch polarisirt, w'obei die Drehung rechts oder links herum geschehen kann.Zwei geradlinig polarisirte Strahlen, deren Sclnvingungsrichtungen auf einander senk-recht stehen, nennt man senkrecht gegen einander polarisirt. Das natür-liche Licht, wie es von leuchtenden Körpern ausgeht, verhält sich meist wie einegleichmässigc Mischung von allen Arten verschieden polarisirten Lichts; man nenntsolches unpolarisirt. Erst durch die Brechung und Spiegelung des Lichts erhältman Licht, in welchem eine Art der Polarisation überwiegt, oder allein vorkommt.
Wenn jedes Aethertheilchen bei der Lichtbewegung immer genau in derselbenZeit denselben Weg mit derselben Geschwindigkeit wiederholt durchläuft, nennt mandas Licht einfach, einfarbig oder homogen, und die Zeit, in der es seinenWeg einmal zurücklegt, heisst die Schwingungsdauer. Die auffallendste Eigen-thümlichkeit, durch welche sich Licht verschiedener Schwingungsdauer von einanderunterscheidet, ist die Farbe. Das natürliche Licht der leuchtenden Körper ist mei-stens nicht einfaches Licht von constanter Schwingungsdauer, sondern enthält Wellen-züge von einer unendlichen Menge continuirlich in einander übergehender Wertheder Schw’ingungsdauer. Man nennt solches Licht gemischtes oder zusammen-gesetztes Licht. Das weisse Licht der Sonne ist gemischtes Licht. EinfachesLicht kann man am besten durch Brechung in durchsichtigen Prismen aus dem ge-