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ERSTER ABSCHNITT. DIE DIOPTRIE DES Al'DES.
§. 9 .
geworfenen Strahle den Reflexionswinkel (in der Figur hcd) und denjenigenzwischen dem Einfallslothe und dem gebrochenen Strahle (jce oder ß) denBrechungswinkel. Bei einfach brechenden Medien ist dann die Lage deszuriickgeworfenen und gebrochenen Strahls dadurch gegeben, dass erstens beideebenfalls in der Einfallsebene liegen, und dass zweitens der Reflexionswinkelgleich dem Einfallswinkel ist, der Brechungswinkel aber von dem Einfallswinkelin der Weise abhängt, dass ihre Sinus sich verhalten wie die Fortpflanzungs-geschwindigkeiten des Lichts in den betreffenden beiden Medien. Das Verhältnissder Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichts im Yacuum zu der in einem ge-gebenen Mittel nennt man das Brechungsverhältniss oder Brechungs-vermögen dieses Mittels. Ist also c die Fortpflanzungsgeschwindigkeit imVacuum, c x in dem ersten, c 2 in dem zweiten Mittel, n y das Brechungsverhältnissdes ersten, w a das des zweiten Mittels, so ist
c
sin a _ sin ß ^
C 1 C‘2
n t sin a = n 2 sin ß.
In der letzteren Form pflegt man gewöhnlich das Brechungsgesetz auszusprechen.Für das Vacuum ist das Brechungsverhältniss nach der gegebenen Definition= 1 , lür die Luft bei gewöhnlichem Drucke so wenig davon unterschieden(nämlich 1,00029 bei 0° und 0,7Druck), dass man in den meisten Fällenden Unterschied vernachlässigen kann. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeiten derverschiedenen einfachen farbigen Strahlen sind im Yacuum und in den Gasartennicht von einander verschieden, wohl aber in den durchsichtigen tropfbaren undfesten Körpern. In diesen pflanzen sich die Strahlen von kleinerer Schwingungs-dauer (die blauen und violetten) langsamer fort als die von längerer Schwingungs-dauer (gelbe und rothe), es sind also auch die Brechungsverhältnisse für dieersteren grösser als fiir die zweiten, und man bezeichnet deshalb auch jene (dievioletten) als die brechbareren Strahlen, letztere (die rothen) als die wenigerbrechbaren. Wegen dieser Verschiedenheit der Brechbarkeit schlagen dennauch die verschiedenen farbigen Theile des weissen Lichts nach einer Brechungin tropfbaren oder festen Körpern im Allgemeinen verschiedene Wege ein, undes giebt dies ein Mittel ab, sie zu trennen. In der Fig. 19 ist vorausgesetzt,dass oberhalb der brechenden Fläche sich ein dünneres, unterhalb derselben eindichteres Medium befinde. Kommt das Licht aus dem ersteren von f her, sowird der gebrochene Strahl c g dem Einfallslothe c e genähert werden. Fürdie violetten Strahlen ist die Ablenkung stärker als für die rothen. Wennalso die violetten etwa den Weg cg einsehlagen, geht das rothe Licht desStrahls fc in der Richtung c g y fort, und trennt sich somit von den brech-bareren Farben.