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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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KRSTKR ABSCHNITT. DIE DIOITKIK DES ALBES.

§. 9 .

PO- M-

Wenn mehrere leuchtende Punkte in einer gegen die Axe des brechendenSystems senkrechten Fläche liegen, und der Axe nahe genug sind, dass ihreStrahlen auf sämmtliche brechende Kugelflächen unter sehr kleinen Einfallswinkelntreffen, so liegen ihre reellen oder virtuellen Bilder auch alle in einer auf dieoptische Axe senkrechten Ebene, und ihre Vertheilung in dieser Ebene istgeometrisch ähnlich der Vertheilung der leuchtenden Punkte, und gehören dieleuchtenden Punkte einem Objecte an, so ist das optische Bild dieses Objectsihm selbst ähnlich.

Ein Beispiel reeller Bilder von Objecten, welches zugleich den Verhältnissendes Auges höchst ähnlich ist, giebt unter den physikalischen Instrumenten dieCamera obscitra. Ein innen geschwärzter Kasten A

enthält in seiner vorderen Wand eine verschiebbareRöhre, in welche eine oder mehrere Glaslinsen l ein-gesetzt sind. Die Rückseite des Kastens g bestellt auseiner matten Glastafel. Wenn man die Gläser l gegen

entfernte erleuchtete Objecte wendet, und die matte

Tafel g beschattet, so sieht man auf ihr ein umge-

kehrtes, natürlich gefärbtes Bild der Objecte entworfen,welches auch bei einer richtigen Stellung der Linsen lsehr scharf gezeichnet erscheint. Die Linsen müssen zu dem Ende so gewähltund gestellt sein, dass die Strahlen, welche von einem jeden einzelnen Punktedes abgebildeten Gegenstandes ausgegangen sind, sich in einem Punkte der matt-geschliffenen Glasfläche wieder vereinigen. Dann empfängt dieser Punkt derGlasfläche alles Licht, welches von dem entsprechenden Punkte des abgebildetcnGegenstandes her in das Instrument gefallen ist, und wird von ihm in derselbenFarbe und entsprechender Helligkeit erleuchtet, wie sie dem Punkte des Objectszukommen. Dagegen fällt auf diese Stelle der Glastafel kein Liebt, welchesvon irgend einem anderen Punkte des Gegenstandes ausgegangen wäre, weilsolches Licht eben in anderen Punkten der Tafel sich vereinigt.

Bei diesen Beobachtungen bemerkt man zunächst, dass die Bilder ungleichvon dem Instrumente entfernter Gegenstände nicht gleichzeitig deutlich auf dermatten Tafel entworfen werden, dass man vielmehr die Röhre mit den Linsenetwas herausziehen muss, um nähere Gegenstände abzubilden, für entfernteredagegen inehr hineinschieben. Der Grund davon ist der, dass die Bilder un-gleich entfernter Punkte auch selbst verschiedene Entfernung von den Linsenhaben, also nicht gleichzeitig genau in der Ebene der matten Glastafel liegenkönnen.

Man bemerkt ferner, wenn die Linsen einen grossen Durchmesser im Vcr-hiiltniss zur Länge des Kastens haben, dass die Ränder heller Flächen in demBilde farbige, meist blaue oder gelbrothe Säume zeigen. Wegen der verschie-denen Brechbarkeit des verschiedenfarbigen Lichts liegen die Vereinigungspunkteverschiedenfarbiger Strahlen nicht genau in derselben Entfernung hinter der Linse,und die Bilder für die verschiedenen Farben decken sich nicht genau. Man nenntdies die chromatische Abweichung. Sie kann fast vollständig aufgehobenwerden durch eine passende Verbindung von Linsen, die aus verschiedenem Stoffe