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ERSTER ABSCHNITT. DIE DIOPTRIK DES AK,ES.
§• ic.
gesunde menschliche Augen leuchtend erscheinen zu machen, indem der Beobachter den ent-fallenden Lichtstrahlen nahe parallel hineinblickt. Letzterer hatte dieselbe Methode schon vorherauf die mit einem Tapetum versehenen Thieraugen angewendet. Endlich erwähnt Wharton Jones ', dass Babbage ungefähr zu derselben Zeit ihm einen belegten Glasspiegel gezeigthabe, von dessen Belegung eine kleine Stelle weggenommen war, um Licht in das Auge zuwerfen und durch die. Oelfnung hineinzusehen. Dies erinnert schon sehr an den Augenspiegelvon Goccius; aber da Babbage keine Linsen mit seinem Spiegel verbunden zu haben scheint,so hat er höchstens ausnahmsweise von den Thcilen der Netzhaut etwas erkennen können,und hat deshalb wohl seine Erfindung damals nicht veröffentlicht.
Die andere Seite der Frage, warum nämlich die Theile der Netzhaut, auch wenn siebeleuchtet sind, z. B. in Thieraugen mit Tapetum, in Augen von Albinos, dem Beobachternicht erkennbar sind, ist öfter besprochen worden. Ihre Lösung lag mehr auf der Hand.Schon im Anfänge des 18. Jahrhunderts hatte Mery 2 beobachtet, dass er bei einer Katze,die er unter Wasser getaucht hatte, in den Augen, welche stark leuchtend erschienen, dieNetzhautgefässe erkennen konnte. La Hire 3 gab von diesem letzteren Umstande die richtigeErklärung. Dass eine veränderte. Brechung der Strahlen nothwendig sei, um das Auge leuch-tend erscheinen zu machen, sah er ein, aber eine nähere Erklärung weiss er nicht zu geben.Ebenso Kussmaul 1 2 * 4 . Letzterer zeigt, dass die Netzhaut hell und erkennbar werde, wenn manentweder vorn vom Auge die Hornhaut und Linse entfernt, oder etwas vom Glaskörper heraus-nimmt und dadurch die Augeuaxe verkürzt.
Ich selbst 5 bin, so viel ich finde, der Erste gewesen, welcher sich den Zusammenhangzwischen den Richtungen der einfallenden und ausgehenden Strahlen klar machte, den wahrenGrund für die Schwärze der Pupille und dadurch auch das Princip für die Construction derAugenspiegel fand. Zur Beleuchtung wendete ich ebene unbelegtc Glasplatten an, zur Er-kennung der Netzhaut Concavgliiser. Th. Ruete war dagegen der Erste, welcher einen durch-bohrten Spiegel anwandte, und die Beobachtung durch Convexlinsen. Da das neue Instrumentin kurzer Zeit eine ausserordentliche Wichtigkeit in der Augenheilkunde erreichte, sind nachhernoch eine grosse Zahl verschiedener Formen von Augenspiegeln construirt worden, von denenich oben die wichtigsten aufgeführt habe. Wesentlich neue Principicn für die Erleuchtungoder Erkennung der Netzhaut sind dabei aber nicht mehr gefunden worden.
Die von mir aufgestellte Theorie des Augeiileuchtens und der Augenspiegel hat keinewesentlichen Veränderungen erfahren. Die Verbesserungen, welche Stellwag von Caiiiondaran anzubringen gesucht hat, kann ich nicht als solche anerkennen. Dieser übrigens um dieEinführung physikalischer Kenntnisse in seine Wissenschaft eifrig bemühte Augenarzt ist beiden hierher gehörigen Arbeiten durch falsche Grimdprincipien über die Stärke der Beleuchtungund Helligkeit durchaus irre geführt worden.
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