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§. n.
schiede iler Stärke zeigt. Man fasst deshalb die genannten versclnedenartigenEinwirkungen in ihrem Verhältnisse zu den motorischen Nerven unter einenNamen, den der Reize, zusammen, indem man von ihren qualitativen Verschie-denheiten abstrahirt und sie nur nach der verschiedenen Stärke der Zuckungen,welche sie hervorbringen, quantitativ als stärker oder schwächer reizend voneinander unterscheidet. Den veränderten Zustand im Nerven selbst, welcher inFolge der Einwirkung eines Reizes eintritt, nennt man die Reizung, und dieFähigkeit des Nerven, nach Einwirkung von Reizen Muskelzuckungen hervorzu-bringen, die Reizbarkeit. Diese Fähigkeit kann durch Absterben und mancherleiäussere Einwirkungen beeinträchtigt werden.
Bei den sensiblen Nerven lässt sich das Schema dieser Begriffe noch insofernwieder anwenden, als auch in ihnen die äusseren Einwirkungen, welche, auf einenmotorischen Nerven angewendet, Zuckung hervorzubringen vermögen, wiederumalle eine andere Wirkung eigenthiimlicher Art, nämlich eine Empfindung her-vorrufen, so lange der Nerv noch nicht abgestorben und vom Gehirne getrenntist. Aber allerdings tritt hier schon der wesentliche Unterschied ein, dass dieEmpfindung qualitative Unterschiede zeigt, entsprechend den qualitativen Unter-schieden der Einwirkung. Indessen, wenn auch verschiedene Reize verschiedeneEmpfindungen hervorrufen, so sind die Wirkungen der Reize doch immerEmpfindungen, also immer Wirkungen von einer sonst nicht vorkommenden, demlebenden Körper eigcnthümlichen Art, und eben deshalb hat man den zuerst fürdie Verhältnisse der motorischen Nerven abstrahirten Begriff der Reize und derReizung auch auf die der sensiblen Nerven übertragen, und man nennt deshalbebenso die äusseren Einwirkungen, welche auf lebende sensible Nerven ange-wendet die Entstehung von Empfindungen veranlassen, Reize, die im Nerveneingetretene Veränderung selbst die Reizung.
Der Zustand der Reizung, welcher an jeder Stelle einer Nervenfaser durchEinwirkung von Reizen eingeleitet werden kann, pflanzt sich stets auch auf alleanderen Tlieile der Nervenfaser fort, und giebt sich auch in diesen theils durchdie veränderten elektromotorischen Wirkungen zu erkennen, theils durch seinenEinfluss auf die anderen ■organischen Gebilde, Muskeln, Gehirn, Drüsen u. s. w„mit denen der Nerv verbunden ist, indem Zusaimnenziehung des Muskels, oderEmpfindung, oder vermehrte Absonderung der Drüse eintritt. Nur wo eingrei-fende Veränderungen der Struetur des Nerven durch mechanische oder chemischeEingriffe, durch Gerinnung des Inhalts der Nervenfasern beim Absterben ein-getreten sind, findet die Fortleitung der Reizung ein Hinderniss. Jeder Stelleeiner unverletzten Nervenfaser kommt deshalb nicht blos Reizbarkeit, d. h. dieFähigkeit, in Reizung versetzt zu werden, sondern auch Leitungsfähigkeit fürdie Reizung zu. Eine Trennung beider Fähigkeiten ist noch nicht beobachtetworden. Uebrigcns sind bisher noch keine Unterschiede in der Struetur undFunction der sensiblen und motorischen Fasern bekannt, welche nicht von ihrerverschiedenen Verbindung mit anderen organischen Systemen hergeleitet werdenkönnten. Die Fasern selbst scheinen nur die Rolle indifferenter leitender Fädenzu spielen, die, je nachdem sie mit einem Muskel oder mit empfindenden Gehirn-theilen organisch verbunden sind, zu motorischen oder sensiblen Nerven werden.