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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSEMITTNDUNGEN.
§. 18.
oder beide plötzlich verschwanden. Ausser solchen Stellen, wo nur eine vorüber-gehende Blendung stattzufinden schien, waren auch constante vorhanden, die immerwieder zu linden sind.
Die Erscheinungen des blinden Flecks wurden von ÄIariotte entdeckt, der mit derAbsicht an diese Versuche ging, zu untersuchen, welcher Art das Sehen auf der Eintrittsstelledes Sehnerven sei. Der Versuch erregte damals solches Aufsehen, dass er ihn 1068 vor demKönige von England wiederholte. Picard gab dem Versuche eine Form, bei der man beideAugen ollen halten kann, und doch eine Sache nicht sieht. Zu dem Ende befestigte er aneiner Wand ein Papier, stellte sich in die Entfernung von-etwa 10 Fuss davon, und liess dieAugen nach dem nah vor das Gesicht gehaltenen Finger convergiren, so dass in beiden Augendas Bild auf den blinden Fleck fallt, und deshalb gar nicht gesehen wird, während es sonstunter diesen Umständen doppelt erscheint. ÄIariotte überbot ihn, indem er bei zwei olfenenAugen zwei Objecte verschw inden. liess. Alan befestigt an der Wand zwei Papiere gleichhoch, drei Fuss von einander, stellt sich 12 bis -13 Fuss von der Wand entfernt, hält denDaumen etwa 8 Zoll weit vom Auge, so dass er dem rechten Auge das linke Papier, demlinken Auge das rechte Papier verdeckt, und fixirt den Daumen, dann verschwinden auchdie beiden Papiere, weil sie in demjenigen Auge, dem sie nicht verdeckt sind, auf den
blinden F'leck fallen. Le Cat versuchte auch schon die Grösse des blinden Flecks auf der
Netzhaut zu berechnen, wobei er ihn freilich viel zu klein, nämlich ’/ 5 bis Vr Linie fand.Daniel Berxouilh zeichnete seine Form auf den Fusshoden, indem er eine Aliinzc auf denFusshoden eines Zimmers legte, ein Pendel nahm, dessen eines Ende er an das rechte Augehielt, und das andere den Boden fast berühren liess. Das linke Auge verschloss er, mit dem
rechten sah er am Pendel herunter, und suchte nun die Stellen auf dem Fusshoden auf, wo
die Aliinze anfing unsichtbar zu werden; er fand eine fast elliptische Figur. Die Berechnungder Grösse des blinden Flecks auf der Netzhaut lieferte ihm aber wegen ungenügenderKenntniss der optischen Constanten des Auges einen zu hohen Betrag, nämlich l / 7 desAugendurchmessers.
Es knüpfte sich an die Entdeckung von ÄIariotte sogleich eine weitläufige Discussionüber eine Frage, die hei den damaligen geringen Kenntnissen der Nervenleistungen natürlichgleich entstehen musste, nämlich die Frage, oh denn überhaupt die Netzhaut es sei, wieKeppler und Sciieixer vorausgesetzt hatten, welche das Licht empfände. ÄIariotte schloss,dass es vielmehr die Aderhaut sei, denn diese fehlt im blinden Flecke, während die Fasernder Netzhaut dort gerade recht dicht zusammenliegen. in der That schlossen sich eine Reihenamhafter Optiker der Aleinung von ÄIariotte an, wie AIery, Le Cat, AIichell, unter denNeueren I). Brewster. Es wurde namentlich hervorgehoben, dass die Netzhaut das Lichtwegen ihrer Durchsichtigkeit nicht zurückhalte, dass sie zu dick sei. um ein scharfes Bildzu geben; auch suchte Le Cat nachzuweisen, dass die Aderhaut eine Fortsetzung der PiaMater des Gehirns sei. Die Lichtempfindlichkeit der Netzhaut wurde vertheidigt durch Pecuuet,de la IIihe, Haller, Porterfield, Perrault, Zinn. Der Hauptgrund für die Aleinung dieserMänner war eigentlich immer nur, dass die Netzhaut die anatomische Entfaltung eines mächtigenNerven ist. während die Aderhaut nur wenige dünne Nerven enthält. AVas sie sonst von Gründenbeibringen konnten, um ihre Aleinung zu stützen und die Schwierigkeiten des ALutioTTE’schenVersuchs zu beseitigen, war nicht viel werth. Porterfield nahm an, dass der Sehnerv, anseiner Eintrittsstelle noch von den sehnigen Nervenscheiden umgeben und durchzogen, nichtweich und zart genug sei, um ein so feines Agens, wie das Licht sei, zu empfinden. Hallerhebt ebenfalls hervor, dass an der Eintrittsstelle des Sehnerven keine eigentliche Netzhautvorhanden sei, sondern eine weissc cellulöse und poröse Haut, die zum Sehen untauglich seinkönne, ohne dass die Netzhaut es sei. Andere, wie Rudolphi, anfangs auch Coccius , glaubten,dass die unempfindliche Stelle nur den Centralgefässen des Sehnerven entspräche, was aberwiderlegt wurde, sobald man die optischen Constanten des Auges besser kennen lernte, z. B.durch Hannover . E. II. Weber, A. Fick und P. du Bois Reyviond. J. AIüller glaubte dieErscheinung durch die Annahme erklären zu können, dass die AIariotte’scIic Erscheinunganalog sei dem Verschwinden der Bilder gefärbter Objecte, die auf weissem Grunde liegen