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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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235
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§. 19 -

FARBE RES UBERVIOLETT.

23 .')

sich nach allen Seiten in den Raum hinein verbreit etc. Die Netzhaut und das Por-zellanplättchen wurden durch ein schwach brechendes Prisma angesehen, welchesdas veränderte von dem unveränderten ultravioletten Lichte schied. Es erschienunter diesen Umständen das durch Fluorescenz in der Netzhaut erzeugte Lichtungefähr ebenso hell, wie die unveränderte ultraviolette Beleuchtung der Porzellan-platte. Wenn wir nun annehmen, was unbedenklich erscheint, dass die Netz-haut das in ihrer eigenen Substanz durch Fluorescenz erzeugte Licht empfindet,so muss ihre Empfindung hei übcrviolettcr Bestrahlung zu ziemlich gleichenTheilen zusammengesetzt sein aus derjenigen Empfindung, die das übervioletteLicht direct erregt, und derjenigen, welche das der Fluorescenz erregt. Da nundas letztere weisser und mehr grünlich ist, als das überviolette Licht dem Augeerscheint, so muss die directe Empfindung des übervioletten Lichts, wie siesein würde in einer nicht fluorescirenden Netzhaut, dem reinen Violett ähnlichersein. Denn Violett und Grünlich-Weiss würde bei passender Mischung dasLavendelgrau der überviolcttcn Strahlen geben können. Da die Farbe derFluorescenz der Netzhaut von Lavendelgrau beträchtlich abweicht, können wirnicht annchmen, dass eine dirccte Reizung des Selmervenapparats durch dasüberviolette Licht ganz fehlt, und etwa nur das fluorcscirende Licht der Netz-haut empfunden würde.

Wenn man ein prismatisches Spectrum von geringer Länge betrachtet, sodass man das Ganze gleichzeitig vor Augen hat, so erscheint es nur aus vierFarbenstreifen zusammengesetzt: Roth, Grün, Blau und Violett, während durchden Contrast mit diesen Hauptfarben ihre Uebergänge fast ganz verschwinden,höchstens erkennt man noch, dass das Grün an der Seite des Roth gelblichwird. Noch verstärkt wird die Trennung der Farben dadurch, dass drei vonden stärkeren dunkeln Linien des Sonnenspectrum D, F und G ungefähr denGrenzen der genannten vier Farben entsprechen. Aber auch, wenn man dieLinien nicht erkennen kann, tritt dieselbe Scheidung der Farben ein. Beilängeren Spectris gelingt es zwar eher die Uebergangsfarben zu erkennen, in-dessen wird doch immer der Eindruck im Auge durch die Nachbarschaft vonso lebhaften und gesättigten Farben, wie sie das Spectrum zeigt, beträchtlichverändert, so dass die Uebergangsfarben nicht recht ungestört, zur Erscheinungkommen. Um die Reihe der einfachen Farben genau kennen zu lernen, mussman sic isoliren. Zu dem Ende entwirft man ein recht reines objectives Spectrumauf einem Schirme, der einen schmalen Spalt hat, so dass nur ein schmalerFarbenstreifen des Spectrum durch den Spalt dringen und einen dahinter auf-gestellten weissen Schirm erleuchten kann. Indem man den Spalt langsam dieLänge des Spectrum durchwandern lässt, bekommt inan nach einander die Reiheder Farbentöne, die es enthält, einzeln zur Anschauung. Dabei zeigt sich, dassnirgends ein Sprung in der Farbenreihe ist, sondern die Farbentöne eontinuirliehin einander übergeben. Es ist dieser Versuch gleichzeitig eines der prachtvollstenSchauspiele, welches die Optik darbietet, wegen des Reichthums, der intensivenSättigung und der zarten Uebergänge der Farbentöne.

Wegen der alhnäligen Uebergänge ist es auch unmöglich, den einzelnenFarben im Spectrum naturgemäss eine bestimmte Breite anzuweisen. Um die