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mit der grössten Sicherheit behaupten, dass die Pferdearten imnördlichen und noch mehr im östlichen Europa von den scythi—sehen und sarmatischen abstammen, jedenfalls aber mit denselbenvermischt wurden. Später drangen in die genannten Länder vieleandere asiatische Völker ein, die stets eine grosse Anzahl asiati-scher Pferde aus dem Norden und der Mitte Asiens mit sichführten, kleine ausdauernde Thiere, die jedoch auf den nassenWaiden und in dem ungewohnten Clima Russlands, Polens , desnördlichen Deutschlands und Frankreichs und bei der geringenSorgfalt, welche die Menschen für sie trugen, mit der Zeit aus-arteten und je nach der Localität oder nach der Vermischung mitden Landesracen einen eigenlhümlichen Charactcr annahmen. Gün-stiger gestaltete sich die Zucht der durch asiatische Völkerschafteneingeführten Pferderacen im südlichen Polen , in den Carpathen,an den fruchtbaren Ufern des Dniester und in mehreren Ebenendes südlichen Russlands , deren Clima und Weiden den Thierenzusagten. Keinenfalls ist jedoch der Einfluss der aus dem nörd-lichen Asien eingeführten Pferderacen auf die Verbesserung dereuropäischen Zucht so wirksam und erspriesslich gewesen, alsder Einfluss desjenigen orientalischen Blutes, welches in den süd-lichen Ländern Europa’s die erfreulichsten Erfolge hervorbrachte.
Der Süden Europa’s stand mit dem uncivilisirten Norden in denfrühesten Zeiten in geringer Verbindung, die Communicationswegewaren zu schwierig, der Verkehr nicht vielversprechend, die nordi-schen Yülkerstämme roh und wild und mit Hass gegen Fremde erfüllt.Daher fand das orientalische Pferd, geringe Ausnahmen vielleicht ab-gerechnet, in den nördlichen Ländern keinen Eingang, und als dieVölker des Ostens in Ungeheuern Schaaren nach dem WestenEuropas gewaltsam vordrangen und in ihrem Stumpfsinn und inihrer barbarischen Wuth alles Bestehende zerstörten, als Furcht