Buch 
Das orientalische Pferd und das Privat-Gestüte ... des Königs von Württemberg : eine hippologische Monographie für Züchter, Freunde und Kenner von edlen Pferden / von ... A. Jäger
Entstehung
Seite
121
JPEG-Download
 

121

zur Genüge vorhanden, und der Deutsche besitzt Vorliebe füralle Hausthiere und beschäftigt sich gern mit der Zucht dersel-ben. Diess gilt vornehmlich vom Pferde: nach dem englischenist unter allen Völkern Europas gewiss das deutsche am sorg-samsten und unverdrossensten in der Wartung und Pflege derPferde. Es lag somit nicht an dem Clima und an der Fruchtbar-keit des Bodens, es lag nicht an dem guten Willen der Züchterund Wärter und an allen übrigen Bedingnissen zu einer gutenPferdezucht, dass dieselbe in Deutschland nicht gedeihen wollte,es musste daher an anderen Ursachen liegen. Wir haben derenschon mehrere angeführt und fügen noch die Willkür, die Launenund den besonderen Geschmack der Fürsten und wohlhabendenGrundbesitzer bei, denen gemäss im siebenzehnten und achtzehn-ten Jahrhundert bei der Züchtung von Pferden nicht auf die Raceund die Tüchtigkeit, nicht einmal auf äussere Form, angenehmenGang und irgend eine Leistung derselben, sondern lediglich aufdie Farbe, auf dicke Köpfe, lange Mähnen und Schweife ges'ehenwurde. In den fürstlichen Gestüten, die damals bestanden unddie lediglich für die Marställe und den Privatgebrauch der Landes-herren gehalten wurden, züchtete man vorzugsweise Isabellen,weissgeborne Schimmel, Tiger, Schecken und Pferde von anderenabnormen Farben, mit langen, dicken Mähnen und Schweifen undmit plumpen, gebogenen Köpfen (Schafs- oder Ramsköpfen), undübersah ausserdem Gestalt, Race und jegliche Leistungsfähigkeit.Ohnehin gehörten jene buntfarbigen Thiere gewöhnlich den ge-meineren Schlägen an und so konnte es nicht fehlen, dass diePferdezucht immer tiefer sank, da die Fürsten nichts für dieselbethaten, sie sogar oft durch ihre Launen und die lächerliche Modeder Zeit verschlechterten. Die Privaten aber konnten entwederaus Mangel an Mitteln oder desshalb hierin nichts thun, weil sie