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bei den Regierungen gar keine Unterstützung fanden, und ferneraus Mangel an guten Beschälern und einem tüchtigen oder min-destens erträglichen Stutenstamme nicht im Stande waren, etwasGehöriges zu bewirken. Der Druck der Grossen und die Nothder Bauern waren überdem gross; die Armulh war unter denmittleren und ärmeren Klassen, mit Ausnahme in den Städten,wo man keine Pferde züchtet, allgemein, die Abgaben bedeutend,Verkehr und Handel und überhaupt Verdienst gering, das alteheilige römische Reich fast immer in Kriege verflochten, und diesewurden gewöhnlich im guten, alten Deutschland ausgefochten, sodass es beinahe unmöglich erscheint, dass eine zweckmässige undedle Pferdezucht in unserem Vaterlande während des unruhigenMittelalters und auch später noch sich hätte ausbilden können.
Nichts desto weniger fühlten Fürsten wie Privaten in Deutsch land das Bedürfniss, der Pferdezucht aufzuhelfen, immer drin-gender. Für das Kriegswesen bedurfte man mehr Pferde alsvordem, und da die Armatur nicht mehr so schwer war, als imMittelalter, die' Bewegungen dagegen schneller und die Märscheanstrengender wurden, so musste man darauf sehen, einen leich-teren, schnelleren und ausdauernderen Schlag von Pferden sichzu verschaffen. Mit diesen Bedürfnissen gingen allgemeine Be-Strebungen Hand in Hand: die Wege und Strassen wurden besser,der Verkehr nahm zu, man wollte schneller fortkonunen undmusste desshalb schnellere und bessere Pferde, als die bis dahingebräuchlichen schweren Gäule, zu erlangen suchen. Mit derZunahme der Civilisation, der verfeinerten Lebensgenüsse unddes Luxus wollte man sich nach dem Yorbilde anderer Länderauch in Deutschland bessere und schönere Pferde verschaffen,bequeme Reit- und Kriegspferde, schnelle Renner, Paradepferdeund Carossiers. Die schweren Rüstungen, Harnische, Panzer und