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gute Hengste liefern, diese wo möglich im eigenen Lande züchten,— was auch dagegen gesagt werden mag von der Nutzlosigkeitund Kostspieligkeit der Stamm - und Landgestüte. Die weisestendeutschen Regierungen haben sich von den Gegengründen derAnglomanen nicht abhalten lassen und die bestehenden Staats-gestiite und Beschälplatten nicht allein beibehalten, sondern die-selben in neueren Zeiten noch vermehrt und veredelt. Natürlichkommt es bei diesen Einrichtungen, wenn sie ihren Zweck erfül-len sollen, sehr viel auf die Localitäl, auf die Verhältnisse einesoder des anderen Landes, auf den bereits vorhandenen Pferdeschlagund noch auf vieles Andere an, was ein verständiger Pferde-züchter hauptsächlich berücksichtigen muss. „Freie Pferdezucht,selbstständige, reine Inzucht“ sind wohl schöne Worte, da jedeEinrichtung, jedes Unternehmen, jedes Gewerbe unter der grösst-möglichen Freiheit die besten Folgen haben wird; bei derPferdezucht in Deutschland jedoch, wobei dem Züchter die Frei-heit übrigens gar nicht oder nur mit weiser Vorsicht beschränktist, möchte es nicht die besten Früchte tragen, wenn auf die An-sicht vieler Hippologen hin die Stamm - und Landgestlite abge-schabt würden. Anspach und Zweibrücken liefern uns den bün-digsten Beweis, nicht minder die Kriegsjahre und die folgendeZeit, in welcher die eingegangenen oder vom Feinde genommenenGestüte mit Mühe und grossen Opfern wieder hergestelll wurden,weil die Regierungen zu der festen Ueberzcugung gekommenwaren, dass die Pferdezucht, ohne ihr Zuthun, in Deutschland niemals wieder aufkommen würde. Ich spreche hier im Grossenund Allgemeinen; kleinere Staaten und reiche Privaten kommenhier nicht in Betracht, sondern nur die allgemeine Landespferde-zucht.