Band 
I.ter Theil.
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Zwote Abtheil. Siebentes Cap.

Der bekannte Irrgang auf Candia hat ſeinen Eingang ander Suͤderſeite des Berges Ida. Die Oefnung iſt weit, aberkaum ſo hoch, daß man aufrecht hinein kommen kann. Er fuͤh-ret erſt zu einem Raum, der einen Keller gleichet, wovon einGang in vielen Beugungen und mit vielen Seiten⸗Steigen abge-het, wovon der groͤſte 1200 Schritt lang iſt, und zu zween groſ-ſen Sͤaͤlen fuͤhret. Der Weg iſt zuweilen ſo niedrig, daß mankriechen muß, und doch ſo breit, daß zwo bis drey Perſonen ne-ben einander gehen koͤnnen. Die Waͤnde ſind lothrecht und vongroſſen Steinen, die ordentlich uͤber einander liegen, aufgefuͤh-ret. Der Berg ſelbſt iſt von einer grauen Felsſteinart zuſam-mengeſetzt, die in Logen liegt. Die Namen, welche auf denWaͤnden eingeſchnitten worden, ſind mit einem weiſſen koͤrnigtenSteine ausgefuͤllt, der 2 bis 3 Linien uͤber die Oberflaͤche derWand hervorſtehet(T).

Auf Candia und den uͤbrigen Inſuln des Archipelagus iſteine groſſe Menge ſolcher Hoͤlen. Die Inſul Antiparus hateine, welche gewoͤlbt und uͤber 20 Schritt weit iſt, woraus manzu einer dunkeln Oefnung hinabſteiget, die durch abhaͤngige Gaͤn-ge und mit Huͤlfe von Treppen zu einer Tiefe von mehr als 300Faden fuͤhret, woſelbſt man eine ſehr groſſe Hoͤle erreicht, derenBoden mit allerhand Stein⸗Figuren bedeckt iſt.

Ararat, die azoriſchen, canariſchen, gruͤnen Inſuln, dieCordilleras⸗Berge und viel mehrere Stellen, haben dergleichenHoͤlen. Ja die indianiſchen Inſuln, beſonders die Molucki-

ſchen,

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(2) Tournefort ſagt weder, wor-aus die Steinwaͤnde beſtehen, nochwas vor eine Art die geſchnittene Na-men ausfuͤllet. Glaublich iſt derStein kalkartig, und die AusfuͤllungKalkſpat. Er glaubt, daß die Gaͤn-ge ſelbſt von der Natur angefangen,und von der Kunſt ausgefuͤhret wor-den. Daß hier ein Steinbruch ge-weſen ſeyn ſollte, iſt in Anſehung der

Beſchaffenheit der Gaͤnge nicht glaub-lich, welche in den Gruͤben ganz an-ders gemacht werden. Auſſerdemwaͤre die Aufforderung ſehr ſchwergeweſen. Die Ueberbleibſel vom Wa-genzeuge, welche Bellonins gefunden,ſind ehe Ueberbleibſel von nachheri-gem Zuthun der Kunſt in dieſen Gaͤn-gen. S. Mem, de P'Aàcad. de Paris.1702.