196 Dritte Abth. Erſtes Capitel.
Umlauf um ihre Axe verrichtet; hier iſt eine Bewegung unter
den Theilen ſelbſt noͤthig, denn die Bewegung iſt zur Erhaltungdes Lebens der Natur ein durchaus nothwendiger Umſtand, we-nigſtens kennen wir in der ganzen Coͤrperwelt keinen Punct, derin einer wuͤrklichen Ruhe iſt,
H 21.
Es ſoll alſo jetzt das Waſſer, und der Zug deſſelben von denHoͤhen bis zum Meer unterſucht werden. Aber es kommt hiebeyeine angelegene⸗Frage vor, die zuerſt abgemacht werden muß,naͤmlich, woher die Hoͤhen die Zugaͤnge haben, Quellenhervorzubringen und zu unterhalten. Das Waſſer nimmtnach ſeiner Schwere und Fluͤſſigkeit allezeit die niedrigſten Stel-len auf der Erdoberflaͤche ein; Woher kommt denn dasjenige,was die hoͤchſten Gegenden ſo beſtaͤndig austheilen?
Dieſe Frage iſt ſehr verſchieden beantwortet worden, und eshaͤtte vollkommener geſchehen koͤnnen, wenn man ſich dabey nichtan einen einzigen Ausweg haͤtte halten wollen. Die Natur iſtohne Zweifel in ihren Anſtalten einfach. Aber dies beſtehet nichtdarin, daß ſie bey einer jeden beſondern Wuͤrkung nicht mehrals eine einzige Urſache gebraucht, ſondern darin, daß alle Wuͤr-kungen, die zu ihrer Haushaltung noͤthig ſind, durch ſo wenigeUrſachen, als moͤglich iſt, hervorgebracht werden, wobey dochuͤberall mehrere einander zu Huͤlfe kommen und unterſtuͤtzen.
Die meteoriſchen Waſſer, Regen, Schnee, u. dgl. derenFall den Niederſchlag ausmacht, ſind der zuerſt in die Augen fal-lende Zugang(d). Man ſiehet, daß das Waſſer auf der Erde
nach
(4) Mariotte nimmt an, daß einDrittheil vom Niederſchlage weg-duͤnſte, ein Drittheil fuͤr Gewaͤchſeund Thiere verbraucht werde, undein Drittheil haͤlt er fuͤr zureichlichzu Unterhaltung der Quellen undFluͤſſe. Er gruͤndet ſeine Meynungauf eine eigene Beobachtung, naͤm-lich, daß in der Seine jaͤhrlich
139 088 500 000 Cubicfuß Waſſerunter der Königsbruͤcke von Pariswegflieſſen, welches noch nicht derſechſte Theil vom Niederſchlage iſt,wenn man annimmt, daß die Sei-ne auf einige zwanzig Meilen dasniederfallende Luftwaſſer an ſich zie-hen koͤnne. Siehe deſſen OeuvresTom, I.