198 Dritte Abtheil. Erſtes Cap.
gens findet man zuoberſt auf hohen Bergen verſchiedentlich groͤſ-ſere Quellen und Waſſerſammlungen, als der Niederſchlag alleinzu unterhalten im Stande ſeyn wüͤrde.
Um genauer zu beſtimmen, wie unzureichlich der Nieder-ſchlag iſt, muͤſte man mit irgend einer Inſel eine Beobachtunganſtellen, wo der Verſuch am leichteſten gemacht, und die jaͤhrli-che Menge Luftwaſſer mit demjenigen, was die Fluͤſſe ins Meerfuͤhren, verglichen werden kann(). Da man aber noch keinedergleichen Beobachtung hat, ſo kann auch dies Verhaͤltniß nichtmit Genauigkeit beſtimmt werden.
Viele Quellen entſtehen von Duͤnſten, welche theils vomWinde gegen Berge und Hoͤhen getrieben, theils vermoͤge derallgemeinen anziehenden Kraft gegen dieſe groſſen Coͤrper gezo-gen werden. Der Luftkreis iſt mehr oder weniger mit waͤſſerich-ten Duͤnſten beladen, welche, wenn ſie gegen feſte und kalteKlippen gedraͤnget werden, gleich zu Waſſertropfen zuſammen-gehen, da ſie denn endlich, auf vorbeſchriebene Art geſammlet,Quellen geben(h).
Hievon allein koͤnnen doch nicht alle Quellen entſtehen. DerRhein, die Donau, der Po und die Rhone haben ihren Ur-
ſprung
(g) Sedileau macht in AnſehungGrosbrittanniens einen ungefaͤhrenUeberſchlag, woraus er ſchlieſſet, daßdie 80 Fluͤſſe deſſelben, welche er 6Po⸗Fluͤſſen gleich ſchaͤtzet, doppelt ſoviel Waſſer gebrauchen, als der Nie-derſchlag giebt, welchen er zu 17 ½Zoll hoch rechnet. Nach eben ſolchemGrunde ſindet man, daß die z0 Fluͤſ-ſe Irlands den vierten Theil mehrWaſſer ins Meer fuͤhren, als dasLuftwaſſer giebt. Uebrigens bemer-ket er, daß, wenn man annimmt,daß alles Niederſchlagswaſſer in dienaͤchſten Fluͤſſe geleitet werde, manſie einiger Orten ſo finden wuͤrde, daßſie kaum den dreyßigſten Theil davonbeduͤrften; dagegen liegen die Fluͤſſe
an andern Orten ſo dicht, daß derNiederſchlag nichts verſchlaͤgt. S.Mem. de l'Acad. a Paris 1693.
(hb) Dr. Balley hat den Urſprungder Quellen auf dieſe Art erklaͤret.Er fiel auf dieſen Gedanken, als erſich in aſtronomiſchen Geſchaͤften aufder Inſel Helena anfhielte. Da, woer beobachtete, welches 411 Fadenhoch war, ſammlete ſich des Nachtsſo viel Feuchtigkeit, daß das Objec-tivglas ſehr oft abgetrocknet werdenmuſte, und ſein Papier zum ſchrei-ben untuͤchtig ward. Er ſchaͤtzte dieAusduͤnſtung der See zmahl groͤſ-ſer, als alles Waſſer, welches dieFluͤſſe dahin fuͤhren,