Von Fluͤſſen. 229Der Nordwind treibt dann die Wolken gegen die Berge, undverhindert zugleich den Abfluß des Nils, welches man augen-ſcheinlich ſiehet, wenn einmahl ein Suͤdwind einfaͤllt, denn als-dann verlieret er in einem Tage ſo viel Waſſer, als er in vierengewonnen hat(Q). Eine Urſache, warum der Nil nun einegroͤſſere Hoͤhe, als vor dieſem, gebraucht, ehe das Land uͤber-ſchwemmet werden kann, beſtehet ohne Zweifel darin, weil dasFeld von dem nachgelaſſenen Schlamm erhoͤhet worden. Obaber nicht mehrere dazu etwas beytragen, ſoll an einer andernStelle unterſucht werden.
Auſſerdem giebt man vor, daß der Niger und Zair in Con-go ihre Fluthen mit dem Nil zu gleicher Zeit haben.
In Aſien ſoll der Pegu mit ſeiner Fluth das Land jaͤhrlich15 Meilen zu beiden Seiten duͤngen(h). Gleicherweiſe nachden Regenzeiten der Ganges, Indus, Euphrat, Menam,Jeniſey, u. m.(1). Man verſichert, daß Plata, oder derSilberfluß in America, zu eben der Zeit, als der Nil, Ueber-ſchwemmungen verurſache(k).
§. 82.
Oft wird der Boden der Fluͤſſe durch Querſenkungen abge-brochen, daher die vielen groͤſſeren oder kleineren Waſſerfaͤlleentſtehen. In dem Goͤthaſtrome machen die Waſſerfaͤlle derTrollhaͤtte zuſammen no Fuß aus, und der Diebsfall alleiniſt uͤber 50 Fuß.
Ff 3 Sarps
(g) Die Fluth faͤngt zu ungleichenZeiten an, nachdem der Nordwindſich fruͤher oder ſpaͤter einſtellt. Mitdem Junius naͤhert ſie ſich gemeinig-lich, aber 1731 kam ſie nicht ehe, alsim Julius. Nach Gabriels zojaͤh-rigen Beobachtungen, von 1692 bis1721, iſt die Hoͤhe zweymahl imSeptember, 26mahl im Auguſt und2mahl im Julius am groſten gewe-
ſen. Zu Herodots Zeit wuchs dasWaſſer in 100 Tagen, und nahmeben ſo lange wieder ab; aber jetztſoll es nicht ſo lange Zeit gebrauchen.
Hr. Grangers Reiſen 1730, in der
Samml neuer Reiſen, Th. III.() Ouington Voy. L om. II.
(i) Varenius, Becman u. m.
(t) Mahfeus.