Band 
I.ter Theil.
Seite
293
JPEG-Download
 

Vom Lufttreiſe. 293

ſtellung waͤre, woher kommt es denn, daß die Schatten blaͤulichtſind, wenn die Sonne dem Horizont nahe iſt(cc).

Zweites Capitel.Vom Niederſchlage aus dem Luftkreiſe.

§. 111.

Mir muͤſſen nun unterſuchen, wo die groſſe Menge Daͤmpfe

und Duͤnſte bleibt. Der Luftkreis iſt fuͤr dieſelben einSammelplatz, ſo wie das Weltmeer fuͤr das flieſſende Waſſer.Beide muͤßten zunehmen, wenn keine Ableitung da waͤre. DieErfahrung ſtreitet doch dagegen. Man hat eher Grund zu ver-muthen, daß die Meeresflaͤche niedriger geworden, als daß ſiegeſtiegen iſt, und der Luftkreis hat in den Jahren, da man ihn zuwaͤgen verſtanden, in der Schwere nicht zugenommen. Dieſebeiden Waſſerbehaͤlter dienen einander ſowol zur Erſetzung, alsAbleitung.

Alle ſichtbare Veraͤnderungen, die ſich im Luftkreiſe zutra-gen, nennet man uͤberhaupt Luftzeichen(Meteore), und wer-den gemeiniglich in drey Claſſen getheilet, waͤſſerichte, welcheden Niederſchlag ausmachen und gleich genauer betrachtet wer-den ſollen; Luftſcheine, die nur leuchten, und Luftfeuer, wel-che brennen und oft anzuͤnden.

§. 112.

Die unſichtbare Feuchtigkeit, die nach Untergang der Son-

nen, beſonders in der waͤrmern Jahrszeit, die Coͤrper in freyerOo 3 Luft

(ce) Wenn die Sonne nahe amHorizont iſt, ſehen unter bloſſem Him-mel alle Schatten, die aufs weiſſefallen, blau aus, wo ſich keine roͤthli-che oder gelbliche Streuwolken zei-gen, deren ihnen zugemiſchte Strah-len ſie gruͤn machen. In der Daͤm-

merung, und wenn der Tag grauet,werden auch bey brennendem Lichtedie Schatten aufs weiſſe unter bloſ-ſem Himmel blau, aber aufs gelbe,gruͤn. Vergl. Hrn. Rpini Verſuchein Actis Petrop. 1764.