298 Vierte Abtheil. Zweites Cap.
8§. 114.
Nebel und Wolken ſind nur in Anſehung der Hoͤhen, woſie ſich aufhalten, verſchieden, denn wenn die erſtern von der Er-de aufſteigen und einen gewiſſen Abſtand erreichen, ſo erhaltenſie den Nahmen Wolken. Diejenigen, welche uͤber Gebuͤrgereiſen, treffen unterwegs oft ſolche um die Berge ſtehende Nebel.Wenn man noch an dem Fuſſe des Berges iſt, ſiehet man ſie fuͤrgewoͤhnliche Wolken an, wenn man ſie erreicht, ſo kann man ſievon dem gewoͤhnlichen Nebel nicht unterſcheiden, und wenn manendlich auf den Gipfel des Berges kommt, ſo gewinnen ſie ihr
voriges Anſehen wieder, mit dem einzigen Unterſcheid, daß ſie
nun niedriger gehen, als der Zuſchauer. Die Wolken ſehendichter aus, als der Nebel, indem der ſcheinbare Abſtand derTheilchen in der Ferne kleiner wird.
Wolken koͤnnen durch eine Veraͤnderung in der Dichtigkeitder Luft entſtehen und verſchwinden. Wenn die Luft voll annochgetrenneter und nicht geſammleter Duͤnſte iſt, und durch irgendeine Urſache verduͤnnet wird, ſo koͤnnen die Duͤnſte in ſolcher Hoͤ-he ſich nicht laͤnger erhalten, ſondern fangen an zu ſinken, wobeyſich mehrere treffen, und in einen kleinern Raum zuſammenge-draͤnget werden, denn wenn die Duͤnſte CD(Fig. 16.) nachEF hinabſinken, ſo iſt der Raum, welchen ſie einnehmen, indemſelbigen Verhaͤltniſſe, als GC und GE. Endlich kommendaſelbſt ſo viele, daß die ganze Sammlung ſichtbar wird, welchedenn ſtehen bleibt, wenn ſie ſo tief gekommen, daß die ſie umge-bende Luftſchichte dieſelbige eigentliche Schwere hat. Wenn nundie Luft ihre vorige Dichtigkeit wieder erhielte, ſo muͤſte die Wol-ke hoͤher ſteigen, wobey ſich die Theilchen ausbreiten, und oftdurch Bewegungen des Luftkreiſes zerſtreuet werden, ja zuweilenvergehet ſie auch auf der Stelle C1). Daß Winde und Luͤftſtroͤ-
me(¹) Dies kann durch einen arti⸗ angeſtecktem Spiritus unter einergen Verſuch augenſcheinlich gemacht Glasglocke, welche man auf die Luft-
werden. Man ſammlet Duͤnſte von pumpe ſetzt. So bald die Sb ver-uͤnnet