Vom Niederſchlag aus dem Luftkreiſe. 29?
Der Nebel ſtellet ſich gemeiniglich zu kalten Jahrszeiten ein,doch ſiehet man oft an Sommerabenden vom Waſſer und niedrig-liegenden Auen einen ſolchen hellen Dampf aufſteigen. Es kanſolches ſowohl bey niedrigen, als hohen Stand des Barometersgeſchehen. Erſteres nach einer Windſtille, wenn die Luft ploͤt-lich verduͤnnet wird, wodurch die Duͤnſte zuſammenfallen und dieLuft gleichſam truͤbe gemacht wird; das letztere kann ſich zutra-gen, wenn nach einer langwierigen Windſtille ſo viele Duͤnſteaufgeſtiegen ſind, daß ſie wegen ihrer eigenen Schwere zuruͤckge-hen muͤſſen, ob die Luft gleich nicht ſonderlich veraͤndert wird.
Der Nebel kann aus zwo Urſachen ſteigen, entweder weildie Luft dichter wird, welches ſich bey vermehrtem Druck ereig-nen kann, den das Steigen des Barometers anzeiget, oder weildie Duͤnſte durch die Sonnenwaͤrme, Wind, u. m. leichterwerden.—
Im Gegentheil werden die Duͤnſte von der Kaͤlte zuſammen-gepackt, ſchmelzen zuſammen, und finken durch ihre Schwere.Der Nebel kann auch wegen Verduͤnnung der Luft niederfallen,und darauf folget nicht allezeit ſchoͤnes Wetter, denn dieſelbigeUrſache zieht oft Regenwolken, Regenwinde, u. m. nach ſich.
Der niedrigſte Theil der Luft beherberget die ſchwerſten undgroͤbſten Duͤnſte. Wenn die Luft dicht iſt, ſiehet man ſie nicht,ja ſo gar eine dunkle Luft wird durch Vermehrung der Duͤnſteklaͤrer. Die Undurchſichtigkeit im Nebel ruͤhret theils von derungleichen Dichtigkeit der Theilchen her, theils von ihrer unrich-tigen Stellung. Zu Pulver geſtoſſenes Glas wird weiß und un-durchſichtig, aber wieder klar, wenn man Waſſer daraufgieſſet.
Der Wind hindert das Entſtehen des Nebels, denn er zer-ſtreuet und verbreitet die Materien deſſelben. Kalte Winde koͤn-nen doch durch die Kaͤlte, die ſie der Luft mittheilen, zuweilen et-was zum Fall der Duͤnſte beytragen, ſo wie Waͤrme und Son-nenſchein ihre Aufloͤſung befoͤrdern.
Bergm. Phyſ. Weltbeſchr. Pp. 114.