Von Lufterſcheinungen. 317
noch ganz und gar ſichtbar iſt. Hiedurch werden die Tage nachder Lage der Oerter mehr oder weniger verlaͤnget. In Paris,wo die Sonne etwa drey Minuten Zeit gebraucht, ihre Hoͤhe um30 Minuten, oder um ihren Durchmeſſer, zu veraͤndern, iſt dieVerlaͤngerung nur 6 Minuten; aber unter den Polen ſelbſt ſiehetman die Sonne blos der Strahlenbrechung wegen 35 Stundenlaͤnger, als es ohne derſelben geſchehen wuͤrde. Die Strahlenkoͤnnen auch den ganzen uͤber den Horizont liegenden Theil desLüftkreiſes nicht mehr erleuchten, und dies unerleuchtete Stuͤckdeſſelben nimmt immer zu, je mehr ſich die Sonne ſenket, ſo daß,wenn die Strahlen in] beruͤhren, nur CADR erleuchtet iſt,und die ganze Daͤmmerung verſchwindet endlich, wenn die Be-ruͤhrungslinie nach R kommt, wo die Strahlen nur nach einerZuruͤckwerfung merklich ſind; aber wo ſie noch nach zwoen Zu-ruͤckwerfungen ſtark genug ſind, auf unſere Augen zu wuͤrken, ſokann er denn noch bis A erleuchtet ſeyn, u. ſ. w.
Der oberſte Theil der Daͤmmerung, oder des erleuchtetenAbſchnitts der Dunſtkugel, ſteiget alſo von Hauf, erhebet ſich,bis er den Scheitelpunct vorbey gegangen, und nachher ſteigeter wieder hinab. Dieſe Bewegung geſchiehet in einer Schne-ckenlinie, denn die Sonne gehet beſtaͤndig von einem Schei-telkreiſe zum andern, und der hoͤchſte Punct der Daͤmmerunglieget mit ihr allezeit in einerley Scheitelkreiſe. Die Daͤmme-rung hoͤret auf, wenn die Sonne ohngefaͤhr 18 Grad unter demHorizont gekommen. Hierzu gehoret unter der Linie, indemdie Sonne daſelbſt winkelrecht auf und untergehet, die kleinſte
Zeit, und unter den Polen die groͤßte, wo ihre taͤgliche Bewe-gung beynahe dem Horizont parallel iſt(d). Unter den Polenſind folglich nicht mehr als zwo Daͤmmerungen aufs Jahr, eine,welche vor der Ankunft der Sonne hergehet, und eine, welche ih-rem Abzuge folget, aber eine jede waͤhret uͤber einen Monath.
Rr 3 Die(4) Ich habe in der Will Acad. Handl. eine ausführliche Geſchichte der
Daͤmmerungen gegeben.