Band 
I.ter Theil.
Seite
316
JPEG-Download
 

316 Vierte Abtheil. Drittes Cap.

S. 129-

Wenn die Sonne von Wolken bedeckt wird, welche nicht zu-ſammenhaͤngen, ſo bemerket man oft verſchiedene Streifen, diegegen die Sonne zuſammengehen, und man ſagt dann, die Son-ne ziehe Waſſer. Die Urſache dieſer Erſcheinung iſt, weil dieSonnenſtrahlen SAund SB(Fig. 22.) die im Wege ſchwim-menden Duͤnſte ſichtbar machen, auf eben die Art, als wenn einLicht nur durch ein Loch in einen Raum faͤllt. Ob ſie gleich meiſtparallel gehen, ſo ſcheinen ſie doch zuſammen zu laufen, indemHI von O aus groͤſſer, als FG ſcheinet.

Wenn zwiſchen den Wolken C und D Regen faͤllt, ſo koͤn-nen die Strahlen in den Tropfen in Farben geſchieden werden,daher denn die Streifen farbigt ſcheinen.

Bey ſtrenger Duͤrre treibt auch eine Menge trockner Theilein die Hoͤhe, welche bey einer Windſtille gleichſam einen Rauchmachen, der doch ſelten uͤber einige Faden hoch kommt. Er heiſ-ſet Sonnenrauch oder Landrauch.

§. 124.

Sobald die Sonne unter den Horizont gehet, iſt der Tag aneinem Orte zu Ende, aber damit hoͤret nicht gleich alles Licht auf,ſondern der Luftkreis behaͤlt noch einen ſchwachen Schein, der nachund nach, und endlich ganz, verſchwindet. Er heiſſet Daͤm-merung. HFRE(Fig. 22.) ſtelle den Geſichtskreis fuͤrden Ort O vor, und HFREB das kugelförmige Stuͤck desLuftkreiſes, welches uͤber denſelben liegt. Wenn nun die SonneS ſo weit unter HG hinabkommt, daß GRS der horizontalenStrahlenbrechung gleich wird, ſo verlieret man ſie zuerſt aus demGeſichte, denn bis dahin haben alle Strahlen von S durch dieStrahlenbrechung nach O kommen koͤnnen, aber nachher nichtweiter. Die Strahlenbrechung hat die Wuͤrkung, daß wenn derobere Rand der Sonne wuͤrklich im Horizont iſt, die Sonne doch

noch

im Sept. Hr. Bouguer ſahe 1736 ne gleich nach der wahren unterge-den 13ten April eine falſche Son⸗ hen.