Von zufaͤlligen Veraͤnderungen. 325
kenen Orten ſammelt ſich Waſſer, aber nach und nach werden ſiemit Materien angefuͤllet, welche von den Hoͤhen herabgeſpuͤletwerden. Stillſtehende Waſſer ſaulen und ſetzen einen erdarti-gen Bodenſatz, und ſchaffen zugleich mit Thieren, Gewaͤchſen,Mooßen, die oft Bettweiſe auf den Aeſten uͤber einander wach-ſen, eine Ausfuͤllung, und ſo wie ſolches zunimmt, ſo zieht ſichauch weniger Waſſer dahin, ſo daß ein Theil ſolcher Stellen end-lich bewohnt werden kann.§. 149.
Das unterirrdiſche Feuer macht auf der Erdrinde viele undgewaltſame Veraͤnderungen. Seine Wuͤrkung aͤuſſert ſich durchdreyerley Bewegungen, wovon man auf einmahl nur eine oderzwo, oder alle drey bemerket. Die erſtere beſtehet aus Schwin-gungen in der Horizontalflaͤche. Dergleichen waren den 1 No-vember 1755 zu Liſſabon, und hielten faſt ein ganzes Jahr an.Wenn ſie heftig und ungleich ſind, ſo wird der Grund und alledarauf ſtehende Gebaͤude, zerſtoͤhret. Das Waſſer nimmt dieſeBewegung am deutlichſten an.
Zuweilen iſt an einigen Stellen eine aufwaͤrts gerichtete Be-wegung. Dadurch entſtehen viele neue Inſuln. Die Erdrin-de wird in die Hoͤhe gehoben, bricht oft, und ſinket zu einemTheile tief nieder, wodurch neue Seen, Moraͤſte und Quellenentſtehen. Das Waſſer folget nach ſeiner Fluͤßigkeit, dieſerBewegung geſchwinder, als die Erdrinde. Es ſtieg zu Liſſabonuͤber 30 Fuß hoͤher, als ſeine Oberflaͤche gewoͤhnlich ſtehet, aberzog ſich gleich ſo ſehr wieder zuruͤck, daß der Tagus in der Mittetrocken ward. Vier Minuten nachher ſtieg es wieder uͤber 30Fuß, und ſo wechſelsweiſe dreymahl.
Zuweilen kommt noch eine Zerſprengungsbewegung hinzu.Sie gleichet dem Sprengen einer Mine, und bricht mit vollerFlamme aus. Dies iſt der groͤßte Grad der Erdbeben, woraufſie gemeiniglich nachlaſſen. Durch die geriſſenen Oefnungen
wird