Band 
I.ter Theil.
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411
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Von Abnahme des Waſſers. 411

Natur noch zu wenig, als daß wir die Unmoͤglichkeit hievon be-haupten koͤnnten, indeſſen iſt ſolches eine bloſſe Muthmaſſung,welche deutlichen Beobachtungen und Verſuchen nicht entgegen-geſetzt werden darf.

§. 156.

Da alſo das Waſſer abnehmen muͤßte, wenn auch die Hoͤheſeiner Oberflaͤche nicht veraͤndert wuͤrde, ſo hat man deſto mehrGrund, erſteres zu behaupten, da dieſe wuͤrklich niedriger wird.Auſſer dem kommen vielfaͤltig ſolche Merkmale vor, die denengleichen, welche eine nach und nach fallende Waſſerflaͤche nachlaſ-ſen muͤßte, und endlich ſcheinen alle drey Reiche der Natur ihrefuͤrnehmſte Nahrung vom Waſſer herzunehmen, ohne daß man da-fuͤr einige Erſetzung weiß. Wenn man dies alles im Zuſammen-hange und unpartheyiſch uͤberleget, ſo ſcheinet mir ſolches denSatz von Abnahme des Waſſers ſehr glaublich zu machen. Wasaber das Maaß dieſer Abnahme betrifft, ſo iſt die Beobachtungs-kette noch allzukurz, um davon eine ſichere Beſtimmung zu ma-chen. Es koͤnnte auch ſeyn, daß ſie nicht gleich iſt, denn uͤber-haupt iſt es wahrſcheinlich, daß ſie deſto groͤſſer iſt, je mehr dastrockene zunimmt, und je mehr die Anzahl der Thiere und Pflan-zen vermehret wird.

H. 157.

Zum Schluſſe ſollen noch einige Folgerungen erwogen wer-den, die aus der Abnahme des Waſſers gezogen und zu ihrerWiderlegung angewandt werden, indem dieſelbige der weiſenEinrichtung des Schoͤpfers unwuͤrdig gehalten wird. In derGeometrie gehet es an, eine Wahrheit durch die ungereimtenFolgen des Gegenſatzes zu beweiſen, aber in der Haushaltung derNatur iſt die ganze Einrichtung und die Abſicht uns noch ſo unbe-kannt, daß man es keinesweges wagen darf, auf den ſchwachenBegrif, den wir uns zu machen vermoͤgen, zu bauen(e). Die

Fff 2 Regie-

(e) Der kluge Baco Lerulamius Naturlehre: eſt ſieut virgo ſterilis,ſagt von den cauſis finalibus in der quæ nihil parit.