Fuͤnfte Abtheil. Viertes Cap.§. 160.
Nach der Meynung des groſſen Leibnitz iſt nicht allein dieErde, ſondern alle Planeten⸗Sonnen geweſen. Wenn Moſesberichtet, daß das Licht von der Finſterniß geſchieden worden, ſoglaubet er, daß der groͤſſere Theil der Erdmaterie in einem hef-tigen Brande geſtanden. Aber nachdem das brennbare verzeh-ret war, verloͤſchte das Feuer endlich und der Coͤrper ward dun-kel. Die verglaſete Materien machten die Rinde aus; das da-von abgeriebene Pulver iſt Sand, und von dieſem ſind durch eineBeymiſchung von Waſſer und feſten Salzen die uͤbrigen Erdar-ten entſtanden. Nachdem die Rinde kalt geworden, fielen diefeuchten Theile, die bey dem Brande aufgeſtiegen, herunter,und bedeckten die ganze Erde mit Waſſer. Die Meeresreſte,welche in unbeſchreiblicher Menge in den hoͤchſten Bergen gefun-den werden, uͤberzeugten ihn, daß das Meer alles trockene Landbedeckt gehabt, und die feſten Salze, Sand, calcinirte Mate-rien, u. m. die man in dem Schooſſe der Erde ſindet, daß dieEntzuͤndung allgemein geweſen, und vor der Bedeckung mit Waß-ſer hergegangen. Durch die von den unterirrdiſchen Duͤnſtenentſtandene Ritzen der Erdrinde, Erdbeben, dem Druck desMeeres, u. m. drang eine Menge Waſſer hinunter, und dadurchwurden die hoͤchſten Theile des Bodens entbloͤſſet. Viele Ver-ruͤckungen ſchreibet er uͤbrigens der Suͤndfluth und einzelnenUeberſchwemmungen zu(h).
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161.Der fleißige Woodward ſiehet die Erde vor der Suͤndflutheben ſo, wie jetzt, mit Ungleichheiten verſehen, an; aber da dieſeUeber-
plectens. Lond. 1681. Sie iſt gutgeſchrieben, verraͤth vielen Witz undVerſicherung von der Richtigkeit derSache, aber eine ſchlechte Kaͤnntnißvon der wahren Beſchaffenheit derErde. 8 1
(1L) Leibnitz gab ſeinen Gedan-ken in Act. Erüd. 1683. unter dem
Titul: Protogæa an. Sein Witzzeiget ſich uͤberall, aber der Fehleriſt, daß ſeine Theorie nur auf die er-ſten Zeiten angewendet wird, vonwelchen unſre Kenntniß in Anſehungder natuͤrlichen Einrichtung der Er-de ganz unzureichend iſt.