Von den Pflanzen uͤberhaupt. 433
empor geruͤckt worden; die noch groͤßtentheils unbekannte Pflan-zungen der allerfeinſten Haargewaͤchſe im Waſſer u. m., ſo kannman ſich einigermaſſen von der Pflanzenmenge auf unſern Plane-ten einen Begrif machen.
§. 202.
Die Pflanzen haben, auſſer ihren Trieb, in der kaͤngeund Dicke zuzunehmen, verſchiedene merkwuͤrdige Bewegun-gen. Ein Theil ziehet Blumen und Blaͤtter zuſammen, wenndas Wetter wolkigt und feucht iſt; einige oͤfnen und ſchlieſſen ihreBlumen zu beſtimmten Tagesſtunden, ſo daß man an ihnen mitziemlicher Sicherheit wiſſen kann, was die Uhr iſt(†); einigewenden ſich nach der Sonne.
Die meiſten nehmen zur Nachtzeit ein ganz fremdes Anſehenan, indem ſie ihre Blaͤtter zuſammen beugen, wodurch die zaͤrte-re Theile fuͤr haͤrtere Zufaͤlle beſchuͤtzt werden. Etwas beſondersiſt es, daß dieſe Bewegungen vor ſich gehen, die Gewaͤchſe moͤ-gen unter bloſſem Himmel geſetzt, oder in einen warmen Raumhineingebracht werden. Alſo traͤgt die Veraͤnderung von Kaͤlteund Waͤrme kaum etwas hiezu bey, ſondern ein unbekannter Me-chaniſmus, der der willkuͤhrlichen Bewegung der Thiere gleichet.Man hat dies Verhalten der Pflanzen mit dem Namen Schlafbezeichnet(g).
Die Gewaͤchſe, welche ſonſt beſtaͤndig unter Waſſer ſtehen,erheben zur Befruchtungszeit ihre Blumen daruͤber. Unter den-ſelben verdienet die Wallis neria eine beſondere Aufmerkſamkeit.Die weiblichen Blumen ſitzen auf einen langen aber in einerSchneckenlinie gedreheten Stengel, wodurch das Gewaͤchs ganzunter das Waſſer kommt. So bald aber die Bluͤthe einfaͤllt,richtet er ſich auf, und haͤlt ſie uͤbers Waſſer. Der maͤnnlicheStock hat dagegen einen kurzen und graden Stengel, der nicht
ver-(„%h Herr p. Linné Phil. Bot. S. 272.(9) Amoen. Ac. IV. S. 333.
Bergm Phyſ. Weltbeſchr. Jii