Band 
I.ter Theil.
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4356 Sechste Abtheil. Zweites Cap.

ren vereiniget ſind, ſo iſt es hoͤchſt glaublich, daß Waſſer dierechte Nahrung der Pflanzen ſeh, das durch hinzukommendeWaͤrme und Luft nach dem eigenen Bau einer jeden Pflanze ingehoͤrigen Nahrungsſaft verwandelt wird(p).

In 20 Pfund Erde, koͤnnen ungefaͤhr 4000 ungleiche Pflan-zen wachſen, wovon man ungleiche Salze und Oele von jedemeine Unze ungefaͤhr erhaͤlt. Wenn die Erde dieſe Materien mit-theilete, wuͤrde man denn nicht aus der naͤmlichen Maſſe 250 Pf.erhalten? Aber die Erfahrung lehret doch, daß man nicht dasgeringſte davon in derſelben findet(p).

In Anleitung von alle dieſem ſcheinet es klar zu ſeyn, daßdie Erde an ſich ſelbſt zum Fortkommen der Pflanzen nicht andersbeytraͤget, als daß ſie ihnen einen feſten Boden giebt, darin dieWurzeln Schutz gegen die Hitze und andere Gewalt haben; daßſie das Waſſer entgegen nimmt, und es ihnen mittheilet; daßſie aus dem Luftkreiſe und Duͤnger das Fett und dienliche Nah-rungsmaterien an ſich ziehet, und ihnen beybringet. Wenn ei-ne Pflanze ſchon zubereitete Nahrung bekommt, ſo gehet derWachsthum geſchwinder fort, als wenn ſie in derſelben erſt bear-beitet werden muß.

§. 204.

Aufkeimung wird genennet, wenn der Saame in dienli-chen Umſtaͤnden aufſchwillt, und der Anfang der Pflanze hervor-ſchieſſet. Ein Saamenkorn beſtehet nach dem Unterſcheide derArten aus ungleichen Theilen, aber der Keim(corculum) iſtdas weſentliche, welches in keimenden Saamenkoͤrnern allezeitbefindlich iſt. Er hat zween Theile, einen einfachen(roſtel- 1lum), welcher die Wurzel wird, und einen ſchuppichten(plu-mula), welcher in die Hoͤhe ſteiget, und mit der Zeit die Pflan-ze ſelbſt ausmacht. Die meiſten Saamenkoͤrner haben einen,zween oder mehrere Seitentheile(cotyledones), die mit ei-ner mehlichten Materie gefuͤllet ſind, und zu die ſo genannteHerz-

(2) S. Herr Prof. Wallerii Agriculturæ fundamenta chemica.