Von Vermehrung der Pflanzen. 442
ſet nur in Stengel und Blaͤtter. Verſetzet man ſie aber in duͤrf-tigere Umſtaͤnde, ſo giebt ſie Blume und Frucht. Sollte mandaraus wohl nicht Anleitung haben zu ſchlieſſen, daß Blaͤtterund Blumen, der Materie nach, von gleicher Natur ſind,und nach den Umſtaͤnden innerlich verwandelt werden koͤn-nen? Noch mehr, alles Laub hat in ſeiner BefeſtigungKnoſpen, welche im kleinen Materie zu Stengel, Laub undKnoſpen fuͤr das naͤchſte Jahr enthalten. Man kann wohl inAnſehung der Feinheit der Theile nicht mit Huͤlfe der Augen aus-machen, fuͤr wie viel folgende Jahre hier Vorrath gefunden wird,aber wenn man uͤberleget, daß Blaͤtter, Blumenblaͤtter, Blu-mendecke, Cronen, Staubfaͤden und Stempel in einander ſitzen,und einem vereinigten und zu gleicher Zeit geſchehenen Ausbre-chen von Knoſpen von vielen Jahren gleichen; daß alle aufge-zaͤhlte Fortpflanzungstheile durch haͤufigen Zufluß und Nahrungs-ſaft wuͤrklich in Blaͤtter verwandelt werden koͤnnen, u. m. 79;3ſo ſcheinen die Fortpflanzungstheile eine fruͤhzeitige Ausſproſſungder Knoſpen zu ſeyn, naͤmlich die Blumenblaͤtter von dem wasnach einem; die Blumendecke von dem was nach zween; dieCrone von dem was nach drey; die Staubfaͤden von dem wasnach vier; und der Stempel von dem was nach fuͤnf Jahren Laubwerden ſollen. Es iſt hoͤchſt glaublich, daß der Ueberfluß anNahrung an dieſer Verwandlung Theil habe, aber auf welcheArt und Weiſe und ob derſelbe alles ausrichtet, weiß man nochnicht mit Gewißheit. Das ſcheinet aber doch unbegreiflich zuſeyn, daß der Mangel an Nahrung allein die Knoſpenmaterievon vielen Jahren auf einmahl vor der Zeit austreiben koͤnne.§. 210.
Die Vermehrung der Gewaͤchſe gehet ſehr weit. Ein einzi-
ger Stange Toback, kann 40320 Saamenkoͤrner geben(g), wel-
che, wenn ſie alle bekommen, und eben ſo fruchtbar ſind, dasandre
(†) Ebend. S. 324. 365,(g) Ebend. I. S. 448-