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Erster Band.
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Buch I. Kap. 2. §. 12.

Geboren 429 oder 428, gestorben 347 v. Chr. *), lebte er meistin Athen als einer der eifrigsten Schüler des Sokrates, nach dessenTode aber im Jahr 399 v. Chr. mit selbstschöpferischem Geistseines Meisters Lehre erweiternd fortbildend und künstlerisch-wissenschaftlich gestaltend. Den Namen der akademischenerhielt seine Schule nach einem mit Tempeln reich geschmücktenöffentlichen Ort bei Athen , der Akademie, unter deren schatten-reichen Platanen er seine Vorträge zu halten pflegte. Er hatteAegypten , Ivyrene, Unteritalien und sogar dreimal Sicilien besucht,aber schwerlich, wie erzählt wird, angelockt durch das 'Wunderdes Aetna , die Geheimlehre der Pythagoreer und Magier. Kennt-nisse mancher xirt, besonders auch mathematisch - astronomische,mag er auf diesen Keisen gesammelt haben; doch mehr als dieNatur beschäftigten ihn menschliche Sitten und Einrichtungen, undvor allem war sein Geist stets auf das Ewige gerichtet. Sehr be-greiflich daher, dass er nächst Sokrates dem Eleaten Parmenides,nächst diesem den Pythagoreern die höchste Achtung erwies, dassihn die ionische Schule weniger ansprach. Von Anaxagoras lässter den Sokrates sagen, er hätte die Mittel, durch welche diehöchste Ursache, die Gottheit wirkt, mit dieser selbst verwechselt;und im Timäos, dem einzigen seiner Dialoge naturphilosophischenInhalts, unterscheidet er gleich am Eingänge das immer SeiendeUnentstandene, was die Vernunft im Denken erfasst, von demWerdenden niemals Seienden, was mit den Sinnen erschauet wird,und worüber sich nur Meinungen hegen lassen. Ueber dieses willsein Timäos reden, und verspricht daher wie Parmenides statt derWahrheit nur das Wahrscheinliche; weiterhin nennt er diese Be-schäftigung sogar eine blosse Erholung vom ernsteren Nachdenkenüber das Seiende, eine untadelige Lust, ein verständiges Spiel.Und so redet er nicht aus Geringschätzung der Natur, wie wohlneuere Idealisten pflegen, — denn er nennt sie ein Werk Gottes,der, weil er gut ist und ohne Neid, nur das Schönste wollen undwirken kann, — sondern im Gefühl menschlicher Unzulänglichkeit

1 ) Clinton, fasti Hellen, ad ann . 347.