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Buch II. Kap. 1. §. 14.
auf Kallisthenes, des Aristoteles Vetter, der, um die Geschichtedes Feldzugs zu schreiben 1 ), den König begleitete. Dieserliess ihn ergreifen und mit sich fortschleppen, bis er im tiefstenElende umkam. Auch auf Aristoteles soll sich sein Verdacht er-streckt, auch dessen Tod soll er in der ersten Aufwallung beschlos-sen haben; doch bekräftigt keine beglaubigte Thatsache des Kö-nigs Ungnade gegen den einst so hoch gefeierten Lehrer. Nurder zarte Duft, der auf ihrem gegenseitigen Verhältniss ruhete, istverwischt.
Den Welteroberer ereilte schon in seinem drei und dreissig-sten Jahre, 323 v. Chr., zu Babylon der Tod. Nun erst wagte dieantimakedonische Partei in Athen den Aristoteles der Gottlosig-keit anzuklagen. Ob er in Folge dieser gefährlichen Anklagenach Chalkis entfloh, oder sich in Voraussicht solches Sturmesschon früher dahin zurückgezogen hatte, was Stahr wahrscheinli-cher findet, ist zweifelhaft. Hier war er sicher für seine Person,und durch die Entfernung seiner Bildsäule aus dem Tempel desdelphischen Apollon entehrten die Athener nicht ihn, sondern sichselbst. Allein ein innerer Wurm nagte längst an seinem Leben.Noch in demselben Jahre, dem drei und sechzigsten seines Altersbeschloss er seine ewig denkwürdige Laufbahn; und ich schliessediesen dürftigen Abriss derselben mit Schlossers 2 ) Worten: „Aris-toteles und Alexandros umfassten beide im Geist die ganze Weltund ihre Wissenschaften, beide wollten sie ganz bezwingen, ganzumgestalten. Mit Aristoteles war das Schicksal, Alexandros konnteseinen Plan nicht durchführen.“
1) Einen Kallisthenes nenntauch Epiphanios zu Anfang des erstenBuchs contra haereses in einer Liste von Schriftstellern über die Pflanzenoder vielmehr Arzneimittellehre. Dass der Aristoteliker gemeint sei, scheintmir nicht bloss zweifelhaft, sondern sehr unwahrscheinlich, da die Schrift-steller chronologisch geordnet sind, und Kallisthenes erst hinter dem KönigMithridates steht. Entgegengesetzter Meinung sind freilich Haller bibl. botan.7, p. 38., Sprengel Gesch. d. Arzneik. 1, (vierte Aufl.) und selbst HumboldtKosmos II, S. 193.
2) Schlosser universalhistorische Uebersicht der Geschichte der alten Weltund ihrer Cullur. Thl. I. Abtheil. III, S. 321.