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Dritter Band.
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Buch X. Kap. 2. §. 12.

und eroberten, ohne dass er es ahnete, den Eroberer. So stander zwischen zwei gleich unwiderstehlichen Gewalten, der Wissen-schaft und der Religion; und da keine der andern wich, ver-glichen sie sich endlich, so gut es ging. Aeusserlich beugte dieWissenschaft ihren stolzen Nacken unter das Joch des Islam, in-nerlich brannte ihre Gluth fort, und brach bald hier bald da ineinzelnen Flammen hervor. Nicht die zärtliche natürliche Mutter,sondern die neidische Stiefmutter arabischer Wissen-schaft ward also der Koran ; er förderte sie nicht, sondernbändigte sie, und zwang ihr den wunderbaren Charakter auf, wo-mit sie uns so befremdend entgegentritt.

Als Grundzug dieses Charakters bezeichne ich die hohe, oftblinde Achtung vor der einmalanerkanntenAuctorität.W ie der Koran in allen Dingen, so dienten griechische Muster ineinzelnen Wissenschaften dem Araber zur unabweichbaren Richt-schnur. Auch letztere staunte man fast gleich einer Offenbarungan; sie überbieten zu wollen, vermass sich niemand; sich an ihrerAuslegung zu versuchen, war ehrenvoll genug. Dem Inhalt gemäss,der hauptsächlich in Ueberlieferung fremder Gedanken und Be-obachtungen bestand, entwickelte sich die den Arabern so eigen-thümliche Form der Darstellung. A. sagt u. s. w. — B. sagtu. s. w. —■, so geht es oft seitenlang fort, und wenn es hoch kommt,so mischt sich ein kurzes bescheidenes Ich sage u. s. w. hinein.Das ist aber in der Regel kein Wechsel von Gründen und Gegen-gründen, die der Schriftsteller gegen einander abwägt, sondernEine Auctorität ergänzt erläutert oder bestätigt gar nur die andere.Selbst originelle Schriftsteller, an denen es doch nicht ganz fehlt,suchten ihren Ruhm weniger in der Originalität als in der Belesen-heit, und affectirten wohl gar den Schein blosser Compilatoren,indem sie ihr Eigenthümliches so darzustellen suchten, als wäre eslängst ausgesprochen, und von ihnen nur vermöge umfassendererGelehrsamkeit aus dem Dunkel der Vergessenheit aufs neue her-vorgezogen. Nicht ohne Einfluss auf diese Form der Darstellungwar vielleicht auch der Druck des Despotismus. Einen eigenenGedanken keck hinzustellen konnte oft gefährlicher sein, als ihn