Band 
Dritter Band.
Seite
419
JPEG-Download
 

Buch XI. lvap. 3. §. (51.

419

die geheimen liathschliisse Gottes ergründen zu wollen. So unter-warf er die politischen Handlungen der Machthaber schonungslosdem Urtheil christlicher Sittenlehre, und sein Ansehen bei ihnensank nicht, sondern stieg, bis er 856, ein Jahr vor dem KaiserLothar, wahrscheinlich im zwei und achtzigsten Jahre seines rast-los thätigen Lebens sanft entschlummerte.

In seinen zahlreichen, meist theologischen, zum Theil auchgrammatischen Werken zeigt er sich als gründlicher Kenner derheiligen Schrift und der lateinischen Kirchenväter, verräth auchnicht o'erino'e Bekanntschaft mit manchen der bessern ahromisehen

C O

Profanscribenten, die er in der Bibliothek seines Klosters vorfand,oder ihr selbst zu erwerben wusste. Die ihm oft zugeschriebeneIvenntniss des Griechischen möchte ich ihm dagegen absprechen.Er geht zwar bei seinen Etymologien nur zu oft auf das Griechischezurück, und liefert mitunter eine richtige Ableitung; doch eben sooft erfindet er griechische Wörter, die nie existirt haben, oder legtden vorhandenen Bedeutungen bei, die sie niemals hatten. Dasgriechische Alphabet kannte er freilich, darüber hinaus scheintseine Ivenntniss dieser Sprache nicht gegangen zu sein. Ein grosserTheil seiner griechischen Etymologien ist auch nicht ihm eigen,sondern von Isidorus Ilispalensis entlehnt.

Zu seinen grammatischen Werken rechne ich auch das deUniverso, wiewohl es gleichfalls eine theologische Seite hat. Eswäre ihm in den Sinn gekommen, sagt er, nach Art der Altenüber die Natur der Dinge und die Etymologie ihrerNamen zu schreiben, doch so, dass er zugleich auf die mystischeBedeutung jener Namen einginge. Sein Vorbild war also ohneZweifel Isidorus Ilispalensis , doch seine Eigenthiimlichkeit ge-stattete ihm nichts ohne Bezug auf die Bibel zu behandeln; undso erklärt er durchgängig: erst die Namen der Dinge, und dann,wie er es nennt, die spirituelle oder mystisch-allegorische Bedeu-tung jener Namen in der heiligen Schrift oder auch wohl bei denKirchenvätern. Von Gott und den Engeln geht er aus, lässt daraufdie Hauptpersonen des alten und neuen Testaments folgen, undkommt von der heiligen Schrift auf Bibliotheken und Bücher ver-

27*