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Buch XI. Kap. 4. §. 64.
sie, wie er mit vollem Recht behauptet, weit ausserhalb medicini-scher Beurtheilung; oder man hält sie für Täuschung, und dannsind sie so vielfacher Auslegung fähig, dass sie am Ende nichtsbeweisen als des Zeitalters Leichtgläubigkeit, und die Kunst, womitdie Kirche dieselbe ausbeutete. Eins der Hauptwunder, das inder Geschichte der Medicin durch alle Bücher geht, ist der Stein-schnitt, den der Geist des heiligen Benedict 1014 an Kaiser Hein-rich II. verrichtet haben soll. Er erschien dem Kaiser, der sichan heftigen Steinschmerzen leidend zu Monte Cassino befand, imTraum, gab sich ihm zu erkennen, machte mit einem chirurgischenInstrument, dass er in der Hand hielt, den Steinschnitt, legte denStein dem Kaiser in die Hand, und heilte die Wunde augenblickswieder zu. So erzählt ein deutscher Mönch *) die Geschichte, undso hat man sie bald gläubig, bald als Beweis der Geschicklichkeitder Mönche zu Monte Cassino in chirurgischen Operationen nach-erzählt. Selbst Renzi 1 2 3 ), wie eifrig er sonst gegen jede medicini -sche Auslegung solcher Wunderkuren protestirt, meint doch denhohen Ruf dieses Klosters als Heilanstalt dadurch bekräftigen zukönnen, dass er sagt, Kaiser Heinrich II. habe sich dahin begeben,um sich von seinen Steinschmerzen befreien zu lassen. Er bedenktnicht, dass, wenn der Kaiser wirklich in der Absicht nach MonteCassino gegangen wäre, er das nur im Vertrauen auf die Wunder-thätigkeit des Heiligen, der dort schon so viel Kranke geheilthaben sollte, getlian haben könnte. Denn von gewöhnlichen durchdie Mönche des Klosters verrichteten Kuren wissen wir nichts.Doch nun wollen wir hören, wie Pabst Benedict VIII., des KaisersZeitgenosse, dem Schauplatz der Begebenheit so viel näher, undgewiss besser unterrichtet als ein einfacher deutscher Mönch, vondemselben Wunder spricht, in einem Schreiben, welches erst Tosti :l )bekannt machte. Der Heilige, erzählt der Pabst, wäre dem Kaiserim Traum erschienen, und hätte ihm zum sichern Zeichen, dasser wirklich der sei, für den er sich ausgab, geweissagt: beim Er-
1) V it a Me in w e r ci , in Leipnitz scriptores rerum Brunsxoicensium , 7, pag. ölo A
2) Renzi collectio Salernitana 7, pag. 49.
3) Tost i 1. c. 7, pag. 2öl sgg.