477
Buch XI. Kap. 4. §. 66.
nach der feierlichen Einweihung der durch Desiderius neu erbau-ten Klosterkirche zu Monte Cassino im Herbst 1071, und vor demTode des Pabstes Alexander II. im Frühling 1073, also im Jahr1072. Was ihm die erste Zeitbestimmung an die Hand gab, er-kennt man leicht: Die Chronik von Monte Cassino spricht vonConstantinus erst nach jener Feierlichkeit. Allein sie sagt nicht:„um dieselbe Zeit“, sondern: zur Zeit desselben Abtes kam auchConstantinus nach Monte Cassino .“ Nicht besser steht es um diezweite Zeitbestimmung. Gleich nach dem Verzeichniss der Schrif-ten des Constantinus fahrt der Chronist fort: „Sequenti temporesupradictus papa Alexander, Urbem egrediens, venit ad hoc mona-sterium.“ Aber es ist klar, dass sich die Worte „sequenti tempore“nicht auf Constantinus , von welchem gleichsam nur in parenthesigesprochen worden, sondern auf die Kirchweihe beziehen. Baro-nius, den Lambecius citirt, sagt nichts über Constantinus ; er be-stätigt nur die beiden Jahreszahlen der Kirchweihe und des Pabst-Wechsels. Sein Kritiker Pagius *) sagt beim Jahr 1087; ohnenähere Begründung: „Floruit sub Desiderio, tarn abbate quampostea pontifice Romano, Constantinus Afer.“ Neuere Lite-rarhistoriker adoptiren bald diese Jahrszahl, bald die des Lambe-cius, bald setzen sie willkürlich voraus, Robert Guiskard hätte denConstantinus erst nach der Eroberung Salerno’s, also nach 1075,daselbst kennen gelernt, und in Dienst genommen, so dass desletztem Eintritt ins Kloster erst einige Jahre darauf erfolgt seinkönne, oder sie begnügen sich mit Angabe irgend einer runden
3 D ö D O
Zahl.
Von seinen Werken, von denen Petrus Diaconus ein langes,doch nicht vollständiges Verzeichniss liefert, gingen einige verlo-ren, andre liegen noch ungedruckt, und unter denen, welche diegedruckte Sammlung seiner Werke ihm beilegt, sind nicht alleächt 1 2 ). Diese Sammlung erschien in zw T ei Bänden unter zweierlei
1) Antonii Pagi critica historico-chronologica in universos annales ecclesia^ti-cos Baroniiy tom. IV , pag, 298 edit. Coloniae Allobrogum 1705.
2) Man sehe dazu merkwürdige Belege bei He ns ekel in der bereits an-geführten Abhandlung im Janus 7, S. 900 ff.