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Buch XI. Kap. 4. §. 66.
Renzi *) gezeigt zu haben meint, kann ich weder als erwiesen nochwahrscheinlich betrachten. Sie selbst 1 2 ) citirt Kapitel 57 zweimaldie s a lerni tanischen Weiber, das heisst Aerztinnen , es gabderen also schon vor ihr, und ich sehe nicht ein, mit welchemRecht Renzi alle Gelehrsamkeit salernitanischer Weiber auf dieeinzige Trotula zusammenhäuft. Auch den Copho citirt sie Ka-pitel 17. Mag es der ältere sein, wiewohl wir keinen Grund haben,das zu vermuthen, so konnte sie gleichwohl nicht viel älter seinals Constantinus . In einem der Werke des breslauer Codex, worinüber jede Krankheit mehrere medicinischc Schriftsteller, und zwar,wie es scheint nach der Altersfolge, verhört werden, tritt immerzuerst Platearius auf, dann Copho (derjüngere), dannPetro-nius, dann Joannes Afflacius des Constantinus Schüler, dannBartholomäus, dann Ferrarius, lauter jüngere als Constanti-nus, und zuletzt Trotula . Wie Renzi sogar darin eine Bestäti-gung seiner Meinung über das Alter der Trotula erblicken konnte,begreife ich nicht. Ich folgere daraus im Gegentheil, dass Trotula jünger als einer der Schüler des Constantinus war.
3. D as Werk des Gariopontus, das einzige der Schule vorConstantinus , das wir noch besitzen, gehörte unverkennbar zu denesoterischen Schriften der Schule. Den Beweis dafür findeichin der unverholenen Empfehlung lüsterner Bücher, schöner FrauenMädchen und sogar Knaben zur Stärkung des männlichen Ver-mögens am Ende des vierten Buchs. Auch wird sowohl diesesWerk wie das verloren gegangene des ältern Copho nicht einemeinzelnen Verfasser, sondern mehrem zugleich zugeschrieben,so dass Gariopontus und Copho nur als die Redactoren derselbenerscheinen. Denn so sind die angeführten Worte des iüngernCopho, worin er den ältern citirt, „ex ejus et sociorum scriptis“,zu verstehen; und bei Gariopontus wird sich dieselbe Thatsachenoch deutlicher ergeben. Diese merkwürdige Sitte der Schule,
1) Renzi collectio Salernitana I, pag. 149 sgq.
2) Ich bediene mich des Abdrucks im Experiment arius medicinae yArgentorati apud Jo. Schottum 1544 fol., die eine andere Kapiteleintheilung alsdie von Renzi benutzte Ausgabe zu haben scheint.