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Dritter Band.
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Buch XI. Kap. 5. §. 71.

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§. 71.

In Deutschland die heilige Hildegardis.

Deutschland besass um dieselbe Zeit wohl einige Dom-und Klosterschulen, die sich vor andern auszeichneten, doch keinederselben verdiente schon damals den Namen eines Studium gene-rale, und Hess sich auch nur von fern mit den englischen franzö-sischen oder italiänischen Anstalten der Art vergleichen. Abereiner Schriftstellerin rühmt es sich, die sich, wie man auchsonst über sie urtheilen mag, nach ihrer Kenntniss der Natur- undHeilkunde den salernitanischen Frauen dreist gegenüber stellen darf.

Geboren 1099 zu Bechelheim an der Nahe und von ritter-licher Herkunft, lebte Hildegard seit ihrem achten Jahre imKloster der Benedictinerinnen zu Disibodenberg , nahm hier späterden Schleier, und ward 1136 zur Aebtissin des Klosters erwählt.Im Jahr 1148 bezog sie mit einigen ihrer Schwestern ein auf ihrenAntrieb neu erbautes Kloster auf dem St. Ruprechtsberge bei Bin-gen , und hier beschloss sie 1179 ihr äusserlich still dahin geflos-senes Leben, daher sie auch oft Hildegardis de Pinguiagenannt wird. Innerlich war ihr Leben gewiss desto bewegter.Schon früh kam sie in den Ruf besonderer Heiligkeit, und soll allihr Wissen, sogar die Kenntniss der lateinischen Sprache, nichterlernt, sondern durch Eingebung empfangen haben. Auch wun-derbare Visionen und die Gabe der Weissagung schreibt man ihrzu, und weltliche und geistliche Fürsten, Kaiser und Päbste wech-selten, besonders in Gewissensangelegenheiten, Briefe mit ihr, dienoch vorhanden und gedruckt sind. Vornehmlich soll sie jedochihren Ruhm den unter dem räthselhaften Titel Sciviae erschiene-nen drei Büchern ihrer Visionen verdanken. Einige andre theo-logisch-mystische Werke von ihr liegen noch ungedruckt. Von demallen, ich gestehe es, kenne ich nichts.

Aber als ehrwürdiges Denkmal des Alterthums und einer zujener Zeit nicht gemeinen Naturkenntniss empfehlen sich zumaldeutschen Naturforschern ihre vier Bücher der Physica.