119
Buch XIII. Kap. 2. §. 13.
Oft behandelt, und noch Immer nicht entschieden ist die Frage,ob Marco Polo’s Reise ursprünglich in lateinischer oder ita-liänischer Sprache geschrieben ward? Wir wissen, dass erwenige Monate nach der Rückkehr von seiner grossen Reise, undnoch in demselben Jahr 1296, das Unglück hatte, bei einer See-schlacht nach tapferer Gegenwehr in genuesische Gefangenschaftzu gerathen. Diese Gefangenschaft dauerte, nicht Ein Jahr, wieBürck S. 18 sagt, sondern nach Ramusio mindestens vier Jahr;denn während derselben vcrheirathete sich sein Vater zum zweitenmal und erzeugte drei Söhne, und gleichfalls noch während der-selben im Jahr 1298 entschloss sich Marco, der vielfachen münd-lichen Widerholungen überdrüssig, wozu er immer aufs neue auf-gefordert ward, zur schriftlichen Abfassung seiner Reise, wozu ei-serne Papiere aus Venedig kommen Hess. So weit steht alles fest,jetzt gehen die Nachrichten aus einander. Ramusio erzählt, Marcohätte seine Reise einem ihm befreundeten genuesischen Edelmannedictirt, und dieser sie nach damaliger Sitte lateinisch niederge-schrieben, wie besonders die Genuesen bei allen öffentlichen Ver-handlungen sogar noch zu seiner Zeit zu thun pflegten. Gleichdarauf wäre das Werk in’s Italiänische übersetzt und durch ganzItalien verbreitet. Pipinus, setzt er hinzu, hätte dasselbe ausdem Italiänischen ins Lateinische zurückübersetzt, weil er sichkeine Abschrift des Originals hätte verschaffen können. Unstreitigschöpfte Ramusio diese Nachrichten aus einer jetzt unbekanntenHandschrift, deren Glaubwürdigkeit sich daher nicht mehr beur-theilen lässt, vielleicht sogar aus einer Copie derjenigen, die erfür das Original hielt; denn in der Ausgabe des zweiten Bandesseiner Navigationi et Viaggi von 1574, welche Zurla verglichen,kommt folgende in der Ausgabe von 1583 ausgelassene Stelle vor:„Una copia del quäl libro, scritta la prima volta latinamente, dimeravigliosa antichitä, e forse copiata dell’ originale di esso MesserMarco, molte volte ho veduta e incontrata con questa, che al pre-sente mandiamo in luce etc.“ (Zurla, I, pag. 19). Dies Zeugnissdes Ramusio ist das einzige bis jetzt bekannte positive Zeug-niss für die Sprache, in welcher das Werk ursprünglich nieder-