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Buch XIV. Kap. 1. §. 27.
Florentiner zur Gründung des ersten Lehrstuhls der grie-chischen Literatur zu vermögen. Zehn Jahr lang besass ihnsein Lehrer Leontios Pilatos, nach demselben auf kürzere Zeitder noch berühmtere Emanuel Chrysoloras . Das Beispielwirkte, bald wetteiferten alle Universitäten Italiens in Errichtungsolcher Lehrstühle und Herbeiziehung ausgezeichneter Griechen,sie zu besetzen. Letztre banden sich jedoch nach damaliger Sittemeist nur auf gewisse Jahre, und wandel ten nach Verlauf derselbenlehrend von Stadt zu Stadt. So verbreitete sich die Kenntnissdes Griechischen rasch über ganz Italien , und drang aus denStudirzimmern des Gelehrten bis in die Säle der liöhern Stände,an die Höfe der Fürsten , ja zur Toilette der Fürstinnen, undes ist ein acht historischer Zug, wenn Leonora von Este, Schwe-ster des Herzogs Alfons II. von Ferrara, in Göthe’s Tasso, nochin der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts sagt:
„Die Kenntniss alter Sprachen und des Besten,“
„Was uns die Vorwelt liess, dank’ ich der Mutter.“
Und als ob alles Zusammenkommen sollte, das Gedeihen derjungen Saat zu fördern, so standen damals als sich der Geschmackam Griechischen in Italien aufs neue entwickelte, an der Spitzeder beiden mächtigsten italiänischen Staaten zwei Männer seltenerArt, Pabst Nico laus V., der den päbstlichen Stuhl 1447 imnoch rüstigen Alter von 49 Jahren bestieg, und 8 Jahre lang innehatte, und der noch grössere Cosimo de’ Medici (geb. 1389,gest. 1464), zwar nur Kaufmann und einfacher Bürger von Florenz ,allein 1421 auf einige Zeit, dann nach einem kurzen Exil von1434 ab 30 Jahr lang bis zu seinem Ende Gonfaloniere, das heissthöchster Beamter der rein demokratischen Republik, getragenwie einst Perikies durch die Volksgunst, die er sich durch Ge-rechtigkeit Leutseligkeit w’eise Einrichtungen und fürstliche Frei-gebigkeit ungetrübt zu erhalten wusste. Ja was noch mehr, sechsJahr nach seinem Tode erwählten die Florentiner seinen EnkelLorenzo de’ Medici zu seinem Nachfolger; auch dieser behaup-tete sich 23 Jahr lang, von 1469 bis zu seinem Tode 1492 durchfreie Volksgunst in der hohen Würde des Gonfaloniere, und führte