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Buch XV. Kap. 5. §. G4.
§• C4.
Die vermeinte Entdeckung der Geschlechtlichkeit derPflanzen und Erfindung des S exual sy s t em s.
Man spricht aber noch von andern Männern jener Zeit, denenman schon damals die Bekanntschaft mit dem Sexual Systemder Pflanzen zuschreibt. Der Ausdruck ist doppelsinnig: jetztpflegen wir darunter bekanntlich die von Linne eingeführte syste-matische Anordnung der Pflanzen nach den verschiedenen Ver-hältnissen ihrer Geschlechtsorgane zu verstehen. Dass ein Sexual-system der Pflanzen in diesem Sinne vor Linne nicht existirte,darüber werden wohl alle Botaniker einig sein. In einem andernSinne nennt man bekanntlich auch jeden Complex physiologischzusammenwirkender Organe ein System, also den Complex derpflanzlichen Geschlechtsorgane ihr Sexualsystem. Nur in dieserBedeutung kann von einer Bekanntschaft mit dem Sexualsystemder Pflanzen vor Linn4 die Bede sein. Indess sollte man sichdes Ausdrucks in dieser Bedeutung in Fällen, wo er zu Missver-ständnissen führen kann, enthalten. Diese Vorsicht ward von ver-schiedenen neuern Schriftstellern vernachlässigt, 63 wäre denn, dassjenes Missverständniss sogar sie selbst schon umgarnt hätte.
Kenzi 1 ) giebt in seiner Geschichte der Medicin in Italien einen besondern Paragraphen mit der Ueberschrif't: „Einführungder ersten Classificationen und Methoden in die Botanik,“ und er-öffnet denselben mit folgendem Satze: „das Sexu alsys t em derPflanzen, sagt Monti 2 ), schon dem Theophrastos durch denSinn gegangen, stand wieder auf, nicht als verworrene, sondernglänzende Idee in Patrizi’s Geiste; und obgleich es erst desfeinen Blickes und Taktes Linne’s bedurfte, um die Idee zu reifen,so darf man deshalb jenem doch nicht die Ehre entziehen, siezuerst cultivirt und, so weit es ihm die Kindheit der Botanik ge-
1 ) Renzi l. c. 111, pag. 119,
2) Iienzi citirt die Stelle nicht. Ich weiss daher nicht, ob er Giuseppe,oder Lorenzo Monti meint.